Die Friesen behaupten, so weit unsere geschichte reicht, ihren sitz an derselben stelle, d. h. der nordwestlichen küste Deutschlands, fast von der Schelde bis gegen Jütland sich erstreckend, und die nahgelegnen inseln des meers erfüllend: der besitz kleiner eilande scheint immer von ruhiger niederlassung auf dem festen lande abhängig. da wo die Römer schon Friesen kannten, sah sie auch das mittelalter und wissen wir sie noch heute. es kommt nicht vor, dass Friesen in andere theile Europas gezogen seien oder dass sie auszuwandern begehren; sie bewahren ihre angestammte heimat. damit hängt auch die zähere beschaffenheit ihrer sprache zusammen: in denkmälern aus der mhd. und mnl. zeit erscheint sie noch mit formen, die sich den alts. und ahd. an die seite stellen; die abgeschiedenheit des volks hat, beinahe wie auf Island, den alten sprachstand gehegt, und man ist zu dem schluss berechtigt, dass von dem mittelalter rückwärts bis zum beginn des neunten jh., wo im lateinischen volksrecht einzelne friesische wörter begegnen, und von da bis zur zeit der Römer in der friesischen sprache verhältnismässig weniger veränderungen eingetreten sein werden, als in jeder andern deutschen. auch in den jetzigen friesischen dialecten dauert noch viel alterthümliches, wiewol auf den westfriesischen die niederländische, auf den ostfriesischen die nieder- und hochdeutsche, auf den nordfriesischen die niederdeutsche und dänische sprache starken einfluss geübt haben.
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