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Nach dem Zusammenbruch: Fritz Naphtali im Briefwechsel 1933–34

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      Nach dem Zusammenbruch: Fritz Naphtali im Briefwechsel 1933–34
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1 Interview mit Fritz Naphtali, 3.11.1960, Archiv der Histadrut (Archion Ha-Avoda), Tel Aviv, 104 IV/20.

2 Baade, F., „Naphtali”, in: Internationales Handwörterbuch des Gewerkschaftswesens, hrsg. von, L. Heyde, Berlin 19311932, Bd 2, S. 1136–37; „Naphtali”, in: Biographisches Handbuch der deutschsprachigen Emigration nach 1933, hrsg. von, W. Röder und Strauss, H., Bd 1, München usw. 1980, S. 520–21; Weinzen, H. W., „Fritz Naphtali. Bibilographie der Schriften bis zur Emigration im Jahre 1933”. in: IWK, Jg. 17 (1981). S. 4161.

3 Baade, , „Naphtali”, a.a.O., S. 1136.

4 Ebd.

5 Vgl. Jahrbuch der Deutschen Sozialdemokratie für 1926, hrsg. vom Vorstand der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, Berlin o.J., S. 48; dass. für 1927, S. 20: dass. f¨r 1928, S. 166-67; dass. für 1929, S. 206; dass. für 1930, S. 239-41 passim; dass. für 1931, S. 159.

6 Naphtali, F., Konjunktur, , Arbeiterkiasse und sozialistische Wirtschaftspolitik. Berlin 1928, S. 1013, 3032.

7 Siehe Jahrbuch 1928 des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes, Berlin 1929, S. 55; vgl. auch F. Naphtali, „Der Hintergrund zur Herstellung eines Programms” (hebräisch), in: Ha-Iggud ha-mikzo'i ve-taficido ba-Tnu'at ha-Po'alim, Tel Aviv 1948, wiedergegeben in P. Naphtali, Demokratya kalkalit. MivḤar ketavim, hrsg. von K. Mendelsohn, Tel Aviv 1963, S. 183-85; ebenfalls R. Kuda, „Das Konzept der Wirtschaftsdemokratie”, in: Vom Sozialistengesetz zur Mitbestimmung. Zum 100. Geburtstag von Hans Böckler, hrsg. von, H. O. Vetter. Köln 1975, S. 265.

8 Wirtschaftsdemokratie. Ihr Wesen, Weg und Ziel, hrsg. im Auftrage des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes von, F. Naphtali, Berlin 1928. Neuausgabe: F. Naphtali, Wirtschaftsdemokratie. Ihr Wesen, Weg und Ziel, mit einem Vorwort von L. Rosenberg und einer Einführung von, O. Brenner, Frankfurt/M. 1966.

9 Jahrbuch 1928 des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes, S. 55.

10 Naphtali, F., „Begriff und Wesen der Wirtschaftsdemokratie”, in: Wirtschaftsdemokratie, a.a.O., S. 718, in der Neuausgabe S. 1325; siehe auch ders., „Gemeinwirtschaft (freie Gewerkschaften)”, in: Internationales Handwörterbuch des Gewerkschaftswesens, a.a.O., Bd 1, S. 576-79. Eine Sammiung von Naphtalis Schriften mit eingehender Kritik befindet sich in Weinzen, H. W., Wirtschaftsdemokratie heute? Konzept, Kritik, Konsequenz, Berlin 1980. Vgl. ebenfalls: ders., Gewerkschaften und Sozialismus. Naphtalis Wirtschaftsdemokratie und Agartz' Wirtschaftsneuordnung. Ein Vergleich, Frankfurt/M. 1982.

11 Protokoll der Verhandlungen des 13. Kongresses der Gewerkschaften Deutschlands (3. Bundestag des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes), abgehalten in Hamburg vom 3-7. September 1928, Berlin 1928, S. 170-219.

12 Siehe F. Naphtali, Wirtschaftskrise und Arbeitslosigkeit. Volkstümlich dargesteilt, Berlin 1930; ders ., „Arbeitslosigkeit und Arbeiterpolitik”, in: Protokoll der zehnten Konferenz des Reichsbeirats der Betriebsräte und Konzernvertreter der Metallindustne, abgehalten am 25. und 26. Januar 1931 in Berlin, Berlin 1931, S. 10–33, 50–54; ders., , „Neuer Angelpunkt der aktiven Konjunkturpolitik oder Fehileitung von Energien?”, in: Die Arbeit, Jg. 8 (1931), S. 485–97; vgl. Woytinski, W., ,„Und dennoch Weltwährungspolitik gegen die Weltwirtschaftskrise”, ebd., S. 498509.

13 Die 40 Stunden-Woche. Untersuchungen über Arbeitsmarkt, Arbeitsertrag und Arbeitszeit, hrsg. im Auftrage des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes von Th. Leipart, Berlin 1931, S. 5.

14 Anpassung oder Widerstand? Aus den Akten des Parteivorstandes der deutschen Sozialdemokratie 1932/33, hrsg. und bearb. von H. Schuize, Bonn-Bad Godesberg 1975, S. 99.

15 Nach mündlicher Mitteilung von Mosche Schilo (früher Brachmann), Tel Aviv, erzählte ihm Naphtali über diesen Zwischenfall während eines Gesprächs ¨ber Naphtalis Gewohnheit, seine auklärerische Tätigkeit auf kleine, abgelegene Orte zu konzentrieren, eine Gewohnheit, die er auch in Erez-Israel fortsetzte. Naphtali habe betont, daβ dieser Zwischenfall ihn in seiner zionistischen Überzeugung stärkte. Mosche Schilo, heute Leiter des Archivs der Histadrut, kannte Naphtali in Deutschland und arbeitete mit ihm in Erez-Israel politisch zusammen.

16 Interview mit Naphtali, a.a.O.; Z. Shazar, „Perez Naphtali”, in: Naphtali, Demokratya kalkalit, a.a.O., S. 910.

17 Naphtalis erste Rubrik in den Sozialistischen Monatsheften findet sich in Heft vom 25.8.1919 und enthält bezeichnenderweise eine kurze Notiz über einen Palästinadelegiertentag der deutschen Zionisten vom Mai (S. 848-49).

18 Tagebucheintragung 6.1.1925, Nachlass Perez Naphtali, Jerusalem.

19 Interview mit Naphtali.

20 Interview und Fragebogen, ebd.

21 Naphtali, F., „Das arbeitende Palästina”, in: Sozialistische Monatshefte, Jg. 35 (1929). S. 119.

22 Naphtalis Weg zum Zionismus und seine Eingliederung in das politische Establishment der jüdischen Arbeiterbewegung in Erez-Israel werden in meiner Ph.D. Dissertation „Fritz Naphtali, Sozialdemokrat im Zionismus und in Israel”, eingehend behandelt. Die Arbeit wird unter Beratung von Prof. Dr Shlomo Na'aman an der Universität von Tel Aviv ausgef¨hrt.

23 Nach Auskunft von Frau Mirjam Barak. Jerusalem, vom 21.3.1982 war dies Jehuda Schertok (Scharett), der Bruder des späteren israelischen Aussenministers Mosche Scharett.

24 Auskunft von Mirjam Barak. Vgl. Kurt Mendelsohn (Amsterdam) an Paul Hertz (Prag), 22.5.1933, Nachlass Paul Hertz, S. 18, Mappe M, IISG.

25 Davar, Zeitung der Histadrut, des Gewerkschaftsverbandes in Erez-Israel, gegründet 1925.

26 Auskunft von Mirjam Barak. Mendelsohn behauptet in seinem Brief an Hertz. dass Naphtali unter dem Vorwand, die £1000 unrechtmässig von der Arbeiterbank bekommen zu haben, verhaftet wurde. Mirjam Barak bestreitet dies.

27 Die von Dr Staudinger (1898–1980) korrigierte Abschrift eines Gesprächs, das ich am 25.7.1978 in New York mit ihm führte, vgl. jetzt H. Staudinger, Wirtschaftspolitik im Weimarer Staat, hrsg. von H. Schuize, Bonn 1982, S. 87. Eine ähnliche Version erhielt ich von Mirjam Barak. Mendelsohn schrieb an Hertz, a.a.O.: „Genosse Staudinger bemüht sich sehr um seine Freilassung”. Hieraus geht hervor, dass Staudingers Vorhaben in SPD-Kreisen schon drei Tage vor Naphtalis Entlassung am 25.5.1933 bekannt war.

28 Auskunft von Mirjam Barak. Naphtali war seit 1920 verwitwet.

29 Auskunft von Mirjam Barak.

30 Tagebucheintragung vom 27.7.1958.

31 Auskunft von Mirjam Barak; Protokoll des Stadtrates von Tel Aviv, 1612.1937; vgl. G. Luft, Heimkehr ins Unbekannte. Eine Darstellung der Einwanderung von Juden aus Deutschland nach Palästina vom Aufstieg Hitlers zur Macht bis zum Ausbruch des 2. Weltkrieges, Wuppertal 1977, S. 132.

32 Siehe Anm. 97.

33 Protokolle der Sitzungen des Instituts, Zionistisches Zentralarchiv, Jerusalem, S 55/234-35. Vgl. Anm. 96.

34 F. Naphtali, Bericht über den Wohnbau in Erez-Israel, Jerusalem 1934 (mimeogr.).

35 M. Scharett, Yoman medini, Tel Aviv 1972, Bd 3, S. 107.

36 Am 15.5.1961 schrieb Paul Hertz an Mirjam Barak: „Es ist jetzt 35 Jahre her, seitdem Dein Vater auf meinen Wunsch von Frankfurt nach Berlin übersiedelte.” Nachlass Naphtali.

37 „Paul Hertz”, in: Biographisches Handbuch der deutschsprachigen Emigration nach 1933, Bd 1, a.a.O., S. 287-88.

38 Siehe oben, S. 327.

39 Weitere Korrespondenz zwischen Naphtali und Hertz aus den Jahren 1933–1945 befindet sich im Nachiass Hertz.

40 A. Bergmann, „Paul Hertz”, in: MB – Mitteilungsblatt der Irgun Olei Merkaz Eiropa, Nr 47 (1961).

41 Hertz (Berlin) an Naphtali (Tel Aviv), 27.12. 1960. Durchschlag in den Paul Hertz Papers, Hoover Institution on War, Revolution and Peace, Stanford, Calif., Reel 49 (MF).

42 Von den hier veröffentlichten Briefen befinden sich diejenigen von Hertz an Naphtalis (Nr 2,4,6,7) und Naphtali an Ollenhauer (Nr 5) im Archiv der sozialen Demokratie, Bestand Sopade, Mappe 77. Naphtalis Briefe an Hertz (Nr 1, 3, 8) befinden sich im Nachlass Hertz, S. 18, Mappe N. Ein umfangreicher Auszug aus Nr 8 findet sich in W. Zadek (Hg.), Sie flohen vor dem Hakenkreuz. Selbstzeugnisse der Emigranten. Ein Lesebuch für Deutsche, Reinbek 1981, S. 43-45.

43 Paul Hertz' damals dreizehnjährige Tochter (geb. 1919).

44 Gemeint ist diesogenannte „Friedensresolution” vom 17.5.1933. Über die Umstände, besonders die Politik des Parteivorstandes und der Reichstagsfraktion siehe Adolph, H. J. L., Otto Wels und die Politik der deutschen Sozialdemokratie 1894–1939, Berlin 1971, S. 275–77; vgl. Matthias, E., „Die Sozialdemokratische Partei Deutschlands”, in: Das Ende der Parteien 1933, hrsg. von, E. Matthias und Morsey, R., Düsseldorf 1960, S. 180–84; ebenfalls Mit dem Gesicht nach Deutschland. Eine Dokumentation über die sozialdemokratische Emigration. Aus dem Nachlass von Friedrich Stampfer, hrsg. von E. Mauhias, Düsseldorf 1968, S. 7475.

45 Über den Konflikt zwischen dem Rumpfvorstand in Berlin und dem Emigrationsvorstand in Prag siehe Adolph, Otto Wels, a.a.O., S. 277-85; Matthias, „Die Sozialdemokratische Partei Deutschlands”, a.a.O., 5. 185-87; Anpassung oder Widerstand?, a.a.O., S. xxxi-xxxiii, 181-98; Mit dem Gesicht nach Deutschland, a.a.O., S. 73-77.

46 Franz Künstler (1888–1942), Erster Vorsitzender der Berliner SPD, MdR, am 26.4.1933 in den Parteivorstand, am 19.6. zum Mitglied des Direktoriums gewählt. Juli-Dezember 1933 im Konzentrationslager Oranienburg in Haft. Am 10.9.1942 in Berlin an den Haftfolgen gestorben. In den Wochen nach der Machtergreifung zeichnete sich Künstler besonders durch extreme Äusserungen und schroffes Vorgehen gegen Andersdenkende aus. So befürwortete er im April, den Ausschluss der Führer der Berliner Sozialistischen Arbeiterjugend in der bürgerlichen Presse anzuzeigen und drohte dem Jugendvorsitzenden mit Strafanzeige, falls die der Jugendorganisation gehörenden Gelder nicht an die Partei abgeliefert würden (vgl. Anm. 49). In der Sitzung der Reichstagsfraktion vom 10.6. wandte er sich gegen die Flucht führender Genossen ins Ausland und verband sie mit der Personalpolitik der Partei. In diesem Zusammenhang griff er Paul Hertz an, der „seinerLeit geradezu mit der Brechstange zum Fraktionssekretär gemacht worden” sei. Siehe Matthias, „Die Sozialdemokratische Partei Deutschlands”, S. 243, 248, 264; vgl. Mit dem Gesicht nach Deutschland, S. 70.

47 Ende März reisten einige SPD-Reichstagsabgeordnete ins Ausland, urn die dortige sozialistische Presse zu beeinflussen, ihre Angrifle aufdas nationalsozialistische Regime zu mildern. Diese Reisen wurden auf Anregung Görings in der Hoffnung unternommen, dadurch die seit Anfang des Monats verbotenen Parteizeitungen wieder herausbringen zu können. Hertz war an diesern Unternehmen beteiligt und reiste nach Dänemark und Schweden. Nach Stampfer wurde die Gelegenheit benutzt, den Bruderparteien über die wirkliche Lage in Deutschland Bericht zu erstatten. Siehe Mit dem Gesicht nach Deutschland, S. 72; Adolph, Otto Wels, S. 267; Matthias, „Die Sozialdemokratische Partei Deutschlands”, S. 169-70, Anm. 8-12.

48 Der Parteivorsitzende Otto Wels trat am 30.3. aus Protest gegen Falschmeldungen in der Internationalen Information, dem Informationsdienst der Internationale, und auch gegen die Beschlüsse der Exekutive vom 18. und 19.3., besonders die Resolutionen „Kampf dern Faschismus”, „Die Einheit der Arbeiterbewegung” und „Internationale Konferenz der SAl”, aus dem Büro der SAI aus. Nach seiner Emigration machte Wels am 17.5. diesen dann als taktisch begründeten Schritt wieder rückgängig. Vgl. Adolph, Otto Wels, S. 267–68; Matthias, , „Die Sozialdemokratische Partei Deutschlands”, S. 170–71,Anm. 18-19.

49 Am 11.4. beschloss der Bezirksvorstand der Berliner SPD den Ausschluss des Vorsitzenden der Berliner SAJ, Erich Schmidt, und der meisten Mitglieder des Bezirksausschusses. Dieser Beschluss richtete sich gegen die unabhängige Politik der Berliner Arbeiterjugend, die sich an oppositionelle Elemente, besonders die Gruppe „Neu Beginnen”, angelehnt und mit dem Aufbau einer illegalen Organisation begonnen hatte. Vgl. Adolph, Otto Wels, S. 269; Matthias, , “Die Sozialdemokratische Partei Deutschlands”, S. 171, 193–94.

50 Kurt Schmitt (1886–1950), Generaldirektor der Allianz-Versicherungs AG, nach Hugenbergs Rücktritt am 29.6. zum Reichswirtschaftsminister ernannt. Schmitt, der dem “Freundeskreis Himmler” angehörte, war vielleicht offiziell nicht Parteimitglied, was den Ausdruck „Koalition” erklären könnte. Andererseits deutet der nächste Satz darauf hin, dass eine innerhalb der NSDAP gegen deren ,„linken” Flügel (Strasser) und gegen die SA (Röhm) gerichtete Gruppierung gemeint ist. Vgl. Schuithess' Europäischer Geschichtskalender, Bd 74 (1933), S. 162–63; Bracher, K. D., Sauer, W., Schulz, G., Die nationalsozialistische Machtergreifung, Köln, Opladen 1960,S.213, 631, Anm. 17.

51 Gemeint ist wohl die Internationale Wirtschaftskonferenz, die am 12.6. in London zusammentrat. Ursprünglich geplant als Fortsetzung der Reparationenkonferenz in Lausanne (16.6-9.7.1932), beschäftigte sich die Londoner Konferenz mit der Stabilisierung der Währungen. Ein gemeinsamer Abkommensentwurf wurde tatsächlich ausgearbeitet, scheiterte aber in Folge einer Botschaft des amerikanischen Präsidenten F. D. Roosevelt, die den Stabiliserungsplan zurückwies (3.7.). Offiziell endete die Konferenz erst am 27.7.

52 Otto Nathan (geb. 1893), Wirtschaftsforscher, Dozent an verschiedenen Universitäten in Deutschland und in den USA, wohin er 1930 emigrierte. Wirtschaftsberater der Reichsregierung, Mitglied der deutschen Delegation zur Weltwirtschaftskonferenz in Genf 1927. 1931 Berater in Präsident Hoovers Emergency Committee on Employment, 1944–1945 Chief Analyst des US-Finanzministeriums, 1946–1952 Berater der Library of Congress. Seit 1955 Vollstrecker und Treuhänder des Nachiasses von Albert Einstein.

53 Jacob Reiss, geb. in Galizien, diente im Ersten Weltkrieg in der österreichischen Armee und liess sich nach 1918 in Prag nieder. Vertreter der Sozialistisch-Zionistischen Arbeiterpartei Poale Zion im Rat der jüdischen Gemeinde und deren Vertreter im Prager Stadtrat. Von der jüdischen Gemeinde mit der Flüchtlingsfürsorge betreut, arbeitete er mit der sozialdemokratischen Flüchtlingshilfe und besonders mit der Leiterin der HICEM, Marie Schmolka, zusammen. Zur Zeit des deutschen Einmarsches in Prag im März 1939 erhielt er in Anerkennung seiner Dienste für deutsche Flüchtlinge die Einreiseerlaubnis nach England. Wanderte Ende 1939 nach Erez-Israel aus. Siehe M. Singer, „Jacob Reiss”, in: Bereshit Tnu'at ha-Po'alim ha-Yehudim be-Galiẓia, hrsg. von A. Reiss, Tel Aviv 1973, S. 207–08; R., Bondy, Edeistein neged ha-Zeman, Tel Aviv 1981, S. 69, 114; ebenfalls nach m¨ndlichen Aussagen von Nathan Dror und Anschel Reiss, Tel Aviv.

54 Chaim Weizmann (1874–1952), Chemiker, zionistischer Führer, dessen Anstrengungen entscheidenden Einfluss auf die Entstehung der Balfour-Deklaration (1917) hatten. 1920–31 und 1935–46 Präsident der Zionistischen Weltorganisation, 1949–52 erster Präsident des Staates Israel.

55 Die Gelegenheit zu der von Reiss vorgeschlagenen Aktion bot der 18. Zionistenkongress, der vom 21.8. bis 4.9. in Prag stattfand. Im Protokoll des Kongresses erscheint J. Reiss in der Delegiertenhiste. Siehe Protokoll des 18. Zionistenkongresses, London, Wien 1934, S. 15.

56 Israel Meriminsky (später Merom: 1891–1976), Gewerkschaftspolitiker, Leiter der Auswärtigen Abteilung des Ailgemeinen Gewerkschaftsbundes der jüdischen Arbeiter in Erez-lsrael (Histadrut).

57 Berl Kaznelson (1887–1944), Erzieher und Schriftsteller: zentrale Führerfigur der jüdischen Arbeiterbewegung in Erez-lsrael. Nach semen Einwanderung 1908 Landarbeiter, Organisator von Arbeiterverbänden, Gründer von Produktiv- und Konsumgenossenschaften. Ausschlaggebend bei der Gründung der Histradrut (1920) und der Vereinigten Arbeiterpartei Mapai (1930). Gründer und erster Redakteur der Gewerkschaftszeitung Davar (1925) und Leiter des Verlags der Gewerkschaften Am Oved. Mitbegründer der Bank Hapoalim.

58 Schlomo Kaplansky (1884–1950), Ingenieur, Führer der Poale Zion und ihr Vertreter in der Exekutive der SAI, 1927-29 Mitglied den Zionistischen Exekutive in Jerusalem und Leiter der Siedlungsabteilung, 1929–31 Mitglied der Zionistischen Exekutive in London, 1932–50 Direktor des Technions in Haifa.

59 Material über den weiteren Verlauf dieses Versuches wurde nicht gefunden. Dass Kaplansky die Sache der deutschen Arbeiterbewegung nicht vergass, geht aus einer „Erklärung der Arbeiterfraktion zur deutschen Judenfrage” hervor, die dem Prager Zionistenkongress unterbreitet werden sollte. Punkt zwei dieser Erklärung in vier Paragraphen lautete: „Es ist nicht die Aufgabe des Zionistenkongresses, und wir beabsichtigen nicht. seine Tribüne dazu zu benutzen, die inneren Angelegenheiten Deutschlands in die Debatte zu ziehen. Unsere oft bekundete Freundschaft f¨r das deutsche Volk bleibt unerschüttert. Wir richten unseren brüderlichen Gruss. insbesondere an die deutsche Arbeiterkiasse in dieser Stunde bitterster Not, tiefer Demütigung und heldenhaften Martyriums ihrer Vorkämpfer.” Nach einer Randbemerkung Kaplanskys wurde diese Erklärung zurückgezogen, weil auf Antrag Mosche Schertoks (Scharett) beschlossen wurde, dem Plenum keine separaten Erklärungen zur Abstimmung zu unterbreiten. In einem Brief erwähnt der Delegierte Joseph Sprinzak besonders Kaplansky als aktiven Initiator dieses Abschnitts. Nach Sprinzak wurde beschlossen, einer gemeinsamen Erklärung aller Fraktionen zuzustimmen. In dem vom Kongress angenommenen Beschluss ¨ber die Judenfrage in Deutschland befindet sich der folgende Satz: „Der Zionistenkongress, eingedenk der Prinzipien der Freiheit und Gleichberechtigung aller Völker, Rassen, Religionen, Weltanschauungen und Individuen und der Postulate menschlicher Gerechtigkeit, die von jeher die sittliche Grundlage der zionistischen Idee gebildet haben, […] frei vom Gefühl der Feindseligkeit gegen das deutsche Volk, aber durchdrungen von der Verpflichtung zur Wahrung der Rechte des jüdischen Volkes in der Welt, erhebt feierlichen Protest gegen das ungeheuerliche Unrecht, das den deutschen Juden angetan ist”. Entwurf der Arbeiterfraktion, Zionistisches Zentralarchiv, A 137/46; J. Sprinzak (Prag) an Mapai-Sekretariat (Tel Aviv), 25.8.1933. Mapai-Archiv, Bet Berl, 2/ l0l/33a; für den Kongressbeschluss siehe Protokoll des 18. Zionistenkongresses, S. 531.

60 Die Leitmotive des 18. Zionistenkongresses waren das Los der deutschen Juden und der innerzionistische Streit zwischen der Arbeiterbewegung und den rechtsradikalen Zionisten-Revisionisten. Zwei Monate vorher. am 16.6., war in Tel Aviv der Arbeiter führer Chaim Arlosoroff ermordet worden. Er hatte mit Vertretern der deutschen Regierung Verhandlungen eingeleitet, mit dem Ziel, wenigstens einen Teil des Vermögens der jüdischen Auswanderer nach Palästina herüberzuretten. Deshalb war er einer besonders giftigen Hetzkampagne von seiten der Revisionisten ausgesetzt. Der Verdacht des Mordes fiel auf einige revisionistische Jugendliche. Auf dem Kongress weigerte sich die Arbeiterdelegation, die zusammen mit den Liberalen über eine Mehrheit verfügte, die Revisionisten in das Präsidium aufzunehmen. Auch die finanzielle Lage der Zionistischen Organisation hatte sich in Folge der Weltwirtschaftskrise und des nationalsozialistischen Sieges in Deutschland sehr verschlechtert. Einerseits war das Einkommen durch Spenden erheblich zurückgegangen. Andererseits mussten die deutschen Juden, die bis 1933 eine der Hauptstützen der Zionistischen Organisation waren. jetzt selbst Anspruch auf Hilfe erheben. Der Kongress stand also mit geringeren Mitteln weit vergrösserten Bedürfnissen gegenüber. Es gait besonders für die Ansiedlung der vielen deutschen Auswanderer zu sorgen, die in immer grösseren Zahlen in Palüstina ankamen. Weizmann, auf den Reiss und Hertz ihre Hoffnungen gesetzt hatten, nahm an dem Prager Kongress nicht teil, nachdem er auf dem vorigen Kongress (Basel 1931) seines Amtes enthoben worden war.

61 Siegmund Crummenerl (1892–1940), Arbeitersekretär und Mitglied des Parteivorstands in Prag und Paris.

62 Siehe Otto Bauers Vortrag „Strategie und Taktik der internationalen Arbeiterbewegung”, gehalten auf dem Fünften Kongress der SAI in Paris, 21.-26.8.1933, in ders., Werkausgabe. Wien 1975–80, Bd 6, S. 185–201; vgl. ders., „Der deutsche Faschismus und die Internationale”, in: Der Kampf, Jg. 26 (1933), S. 309–22. In diesem Artikel schrieb Bauer: „Ein Krieg gegen Deutschland, von kapitalistischen Regierungen unter dem Vorwand eines Krieges gegen den Faschismus geführt, würde mit der Zerstü Deutsclands, mit der Fremdherrschaft über Deutsehland enden. […] Wenn die Internationale authörte, die Macht des Friedens zu sein, wenn sie zum Krieg gegen Deutschland riefe oder die Kriegführung gegen Deutschland unterstützte, dann würde sie so sicher breite Massen des deutschen Volkes Hitler zutreiben, wie die Intervention der Entente in Russland breite Massen des russischen Volkes dem Bolschewismus zugetrieben hat.” Zitiert nach der Werkausgabe. Bd 9, S. 333.

63 Für Stampfers Auffassung „Revolution, nicht Krieg” und seine Versuche, internationale Unterstützung fur sein Programm zu bekommen, siehe Mit dem Gesicht nach Deutschland, S. 83-87; ebd. S. 202-03 der Programmentwurf von November/Dezember 1933. 1936 erneuerte Stampfer seine Initiative und versuchte durch eine ‚Weltbotschaft an das deutsche Volk”, die angesehene Persönlichkeiten aller Länder unterzeichnen sollten, revolutionäre und kriegsfeindliche Elemente zu stärken und dadurch Druck auf das Hitler-Regime auszuüben. Ebd., S. 269-91.

64 Gemeint ist wohl die Monatschrift Sozialistische Revolution, die, von Hilferding redigiert, in Prag herauskam. Unter dem Druck der tschechoslowakischen Behörden wurde der Titel in Zeitschrift für Sozialismus geändert. Vgl. Mit dem Gesicht nach Deutschland, S. 80.

65 Wilfried (Fred W.) Hertz (geb. 1915), Paul Hertz' Sohn.

66 Ise (nicht Isi): Naphtalis Tochter Marie Luise (geb. 1920), heute Frau Mirjam Barak.

67 Erich Ollenhauer (1901–63), seit 1920 Verbandssekretär beim Hauptvorstand des Verbands der Arbeiter-Jugend-Vereine Deutschlands in Berlin, 1928–33 Vorsitzender des Verbands der Sozialistischen Arbeiterjugend Deutschlands. Am 26.4.1933 Wahl zum Mitglied des Parteivorstands. Nach Rückkehr aus der Emigration 1946–52 stellvertretender, von 1952 bis zu seinem Tode erster Vorsitzender der SPD.

68 Dieser Brief konnte bis jetzt noch nicht sichergestellt werden.

69 Naphtali war damals schon in Tel Aviv journalistisch tätig und hatte Aussichten, am Technion in Haifa und im Wirtschaftlichen Forschungsinstitut in Jerusalem zu arbeiten. Vgl. S. 330 und 355.

70 Über die Bemühungen der Sopade, sozialdemokratische Gruppen in verschiedenen Zentren zu organisieren, siehe B. Čerý, „Der Parteivorstand der SPD im tschechoslowakischen Asyl (1933–1938)”. in: Historica. Bd 14 (1967). S. 180. Eine sozialdemokratische Exilgruppe wurde tatsächlich in Erez-Israel nicht gebildet. Naphtali selbst trat schon 1933, also kurz nach seiner Ankunft, in die Arbeiterpartei von Erez-Israel (Mapai) und in die Histadrut ein. In der Mapai entstand 1936 der Chug Arlosoroff, ein Diskussionszirkel deutschsprachiger Mitglieder, dem auch Naphtali angehörte. Vgl. die Mitgliedsbücher Naphtalis: Mapai. Nr 75405, Histadrut, Nr 73377, Nachlass Naphtali; m¨ndliche Auskunft: Mosche Schilo, Tel Aviv, und Professor Leni Jahil, Jerusalem, die beide in den dreissiger und vierziger Jahren für die Mapai unter deutschsprachigen Einwanderern politisch aktiv waren.

71 M. Schwarz, MdR. Biographisches Handbuch der Reichstage, Hannover 1965, S. 670, gibt bei Hertz keine Religionsangehörigkeit an, im Biographischen Handbuch der deutschsprachigen Emigration, a.a.O., ist er als „Dissident” bezeichnet. Ein Zeichen seines Gesinnungswechsels kam in seiner späteren Tätigkeit in Berlin zum Ausdruck, als er für die Planung der Produktion zur Deckung der israelischen Einkäufe im Rahmen des Wiedergutmachungsabkommens eintrat. Wie gesagt besuchte er Israel einige Male. Vgl. auch Bergmann, „Paul Hertz”, a.a.O.

72 Über die Vorgeschichte des sogenannten Prager Manifestes siehe Mit dem Gesicht nach Deutschland, S. 197-215; vgl. Adolph, Otto Wels, S. 307-09. Für den Text des Manifestes siehe Mit dem Gesicht nach Deutschland, S. 215-25.

73 Hilferding schickte den Entwurf am 10.1. von Zürich aus an Geyer in Prag. Siehe Mit dem Gesicht nach Deutschland, S. 212. Hertz muss also an Naphtali ganz kurz nach Empfang dieses Entwurfs geschrieben haben.

74 Fritz Baade (1893–1974) war bis 1933 u.a. Leiter der Reichsforschungsstelle für landwirtschaftliches Marktwesen im Reichsernährungsministerium und Reichskommissar bei der Deutschen Getreide-Handelsgesellschaft. Von 1925 bis 1929 war er auch Leiter der Forschungsstelle für Wirtschaftspolitik. In der Reichstagsfraktionssitzung vom 17.5. war er Sprecher der Gruppe, die von vornherein Zustimmung zur Friedensresolution befürwortete und die Betonung der nationalen Gesinnung verlangte. In der Fraktionssitzung vom 10.6. trat er scharf gegen die Prager Gruppe auf. Dezember 1934 reiste er mit Genehmigung der Reichsregierung über die ČSR nach Ankara. Dort intervenierte die deutsche Botschaft gegen seine geplante Ausbürgerung. Wegen seiner politischen Züruckhaltung in der Öffentlichkeit und seiner Beziehungen zur deutschen Vertretung war er in der Emigration zeitweise umstritten. Vgl. Mit dem Gesicht nach Deutschland, S. 167; Adolph, Otto Wels, S. 276, Anm. 659; Matthias, „Die Sozialdemokratische Partei Deutschlands’, S. 263; Biographisches Handbuch der Deutschsprachigen Emigration, Bd l, S.29.

75 Reichsernährungsministerium.

76 Das Prager Manifest der Sopade wurde am 20.1. vom Prager Parteivorstand unter Teilnahme Hilferdings verabschiedet. Der Text erschien dann am 28.1. im Neuen Vorwärts und in der Sozialistischen Aktion. Nachdem Hertz es hier für selbstverständlich hält, dass Naphtali den Inhalt des Manifestes schon kennt, obwohl er die letzte Nummer der Sozialistischen Aktion erst mit diesem Brief absandte (siehe unten), ist anzunehmen, dass Naphtali schon früher eine Abschrift erhielt. Siehe Mit dem Gesicht nach Deutschland, S. 215-16, Anm. 1. Da Hertz' Brief an Napthali vom 7.8. von Naphtali schon am 13.8. beantwortet wurde, könnte unter günstigen Postverhältnissen em Brief, der am 21.1. von Prag abgesandt wurde, am 27.1. in Naphtalis Hände gelangt sein.

77 Bezieht sich wohl auf den Programmentwurf von Stampfer, Geyer und Rinner, vielleicht auch auf den Kommentar von G. Decker (Denicke). Aus Hertz' Brief geht hervor, dass er diesen Entwurf Naphtali nicht übermittelte. Siehe Mit dem Gesicht nach Deutschland, S. 197-215 und S. 206-07, Anm. 11.

78 Die Deutsche Freiheit vom 28-29.1.1934 kommentierte das Prager Manifest im Leitartikel: „Das ist das eindeutige Bekenntnis zu einer revolutionären sozialistischen Diktatur, deren Dauer sich lediglich nach dem Tempo und den Erfolgen der Umwälzung zu richten hat. Die Zerschlagung des alten politischen Apparates muss gesichert werden gegen seine bisherigen gesellschaftlichen Träger! Dass dies 1918 nicht geschehen ist, bleibt die grosse unsühnbare Schuld der für jene Ereignisse Verantwortlichen. Es ist das Grösste an dem neuen Kampfprogramm der Sozialdemokratie, dass der grösste Fehier des Jahres 1918 offen eingestanden wird. Darauf haben viele im Lande, insbesondere junge Mitkämpfer, seit langem gewartet.”

79 Luise Kautsky an Hanna und Paul Hertz, 29.1.1934: “Rudolfs Besuch war dieses Mal sehr erfreulich und noch erfreulicher ist das Resultat seiner Tätigkeit in Prag, wie es sich im letzten Neuen Vorwärts darstellt. An dieser Erklärung kann man wirklich seine Freude haben und Karl spricht Allen, die daran mitgearbeitet haben, seine volle Anerkennung aus.” Nachlass Hertz, S. I, Mappe L.

80 Naphtalis Brief an Aufhäuser konnte bis jetzt nicht gefunden werden.

81 Die von Hertz redigierte Sozialistische Aktion war besonders für die Verbreitung innerhalb Deutschlands bestimmt, während der Neue Vorwärts den Emigranten diente. Vgl. Mit dem Gesicht nach Deutschland, S. 81, 225, 312-13; Adolph, Otto Wels, S. 333.

82 Nachdem Hilferding zur Diskussion über das Manifest nach Prag gekommen war und an der Sitzung des Parteivorstands am 20. 1. teilgenommen hatte, lässt Hertz' Brief seine Anwesenheit in Prag auf den 17-20. oder 18-21. festsetzen. Vgl. Mit dem Gesicht nach Deutschland, S. 214, Anm. 10, und S. 2 15-16, Anm. 1.

83 Gemeint ist vielleicht die JTA (Jewish Telegraph Agency) oder die ICA (oder JCA: Jewish Colonization Association), eine Organisation, die sich mit der HIAS (Hebrew Sheltering and Immigrant Aid Society) und Emigdirekt (Emigrationsdirektion, Vereinigtes Komitee für jüdische Auswanderung, Berlin) zur HICEM zusammengeschlossen hatte.

84 Nr 5.

85 Es ist anzunehmen, dass hier wie in Nr 1 (vgl. Anm. 44) die Fraktionssitzung vom 16. und 17.5. gemeint ist, die in der Tat eine „Mehrheitsentscheidung für Hitler” brachte. Die Fraktionssitzung vom 10.6. und die Reichskonferenz vom 19.6. beschäftigten sich mit dem Konflikt Berlin-Prag. Die veröffentlichten Protokolle enthalten keine antisemitischen Bemerkungen. Siehe Mit dem Gesicht nach Deutschland, S. 176-77; Anpassung oder Widerstand?, S. 183; für das Protokoll der Sitzung der Reichstagsfraktion vom 10.6. siehe Matthias, „Die Sozialdemokratische Partei Deutschlands”, S. 255-65, f¨r das der Reichskonferenz vom 19.6. Anpassung oder Widerstand?, S. 194-98, und Mit dem Gesicht nach Deutschland, S. 182-84.

86 Über organisatorisehe und ideologisehe Anpassungsversuche der Gewerkschaften, einschliesslich Gebrauch von völkisch-rassistischer Terminologie, siehe Matthias, „Die Sozialdemokratische Partei Deutschlands”, S. 177–80; G.Beier, Das Lehrstück vom 1. und 2. Mai 1933, Frankfurt/M. 1975, S. 36–42. Nach B. Engelmann, Einig gegen Recht und Freiheit. Deutsehes Anti-Geschichtsbuch, Teil 2, Frankfurt/M. 1980, S.199–200, wurden auf Entschluss des Rumpfvorstandes alle jüdischen Genossen aus den Vorständen ausgeschlossen.

87 Arnold Zweig (1887–1968), Schriftsteller, 1933 Auswanderung nach Erez-Israel (Haifa), kehrte 1948 nach Berlin (Ost) zurück, 1958 Lenin-Friedenspreis, weigerte sich, nach dem Sechs-Tagekrieg von 1967 eine Missbilligungserklärung gegen Israel zu unterzeichnen.

88 Siehe oben, S. 329.

89 In dem Anm. 27 zitierten Gespräch sagte Dr Staudinger: „Die Trennung zwischen Juden und Nicht-Juden war damals in der preussischen Verwaltung, in den intellektuellen Kreisen und den SPD-Parteizirkeln […] von keiner grundsätzlichen Bedeutung. Ich wusste nicht, wer in meinem Ministerium Jude war. Erst als die Naziwelle heraufbrach, sagten Beamte zu mir: ,Ich habe eine j¨dische Grossmutter', und ich antwortete emmal im Anfang: ‘Was ist denn das?!’ Meine erste Frau war Jüdin, meine besten Freunde, Adolph Löwe, Emil Lederer, Hans Schäffer, waren alle j¨disch.” 1930 war Staudinger Mitglied des sogenannten „Abegg-Ausschusses”, in dem Vertreter der SPD, des Zentrums, der DDP, der Gewerkschaften, des Reichsbanners und des Central-Verems deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens gegen die Nationalsozialisten zusammenarbeiteten. In einer der letzten Sitzungen griff er „mit dem Ausdruck tiefer Besorgnis semen Kollegen Dr. Abegg an, weil dieser nicht energischer auf Hergabe von Mitteln und drastische Massnahmen zur umfassenden Abwehr der herannahenden, immer bedrohlicher werdenden Gefahr bestanden und semen Rücktritt als Alternative angeboten hätte.” H. Reichmann, „Der drohende Sturm. Episoden aus dem Kampf der deutschen Juden gegen die nationalsozialistisehe Gefahr 1929 bis 1933”, in: In zwei Welten. Siegfried Moses zum fünfundsiebzigsten Geburtstag, hrsg. von H. Tramer, Tel Aviv 1962, S. 571. Über Staudingers gute Beziehungen mit jüdischen Kreisen in den Vereinigten Staaten, besonders mit dem Jewish Labor Committee, siehe Mit dem Gesicht nach Deutschland, S. 388-89 und passim.

90 Da Naphtali kein bestimmtes Dokument nennt, bleibt offen ob sich seine Kritik auf das Prager Manifest, einen der Entwürfe dazu oder ailgemein auf Veröffentlichungen in der Emigrantenpresse bezieht. Eine Abschrift des Manifests konnte ihn erreicht haben (siehe Anm. 76), den Programmentwurf von Stampfer, Geyer und Rinner, der schon im November/Dezember 1933 vorlag, oder eine der Zwischenfassungen konnte er auf verschiedenen Wegen erhalten haben. Ausser mit Hertz korrespondierte er mit Aufhäuser (siehe oben, S. 350) und wahrscheinlich auch mit Rinner (dies legen dessen Briefe von 1937 im Nachlass Naphtali und 1938 im Archiv der sozialen Demokratie nahe), beide Mitglieder des Parteivorstandes. Eine Verbindung mit Denicke, über dessen Anwesenheit in Paris er seit Oktober informiert war (E. Kahn an Naphtali, 10.10.1933, Nachlass Naphtali), ist möglich und wird durch seine weiter unten formulierte Bitte an Hertz nahegelegt. Schliesslich ist die Redaktion des Davar als Informationsquelle nicht auszuschliessen.

91 Vgl. für den Programmentwurf von Stampfer, Geyer und Rinner Mit dem Gesicht nach Deutschland, S. 206; für G. Deckers Entwurf ebd., Anm. 11: für das Prager Manifest ebd., S. 219.

92 Programmentwurf von Stampfer, Geyer, Rinner, ebd., S. 200.

93 Programmentwurf von Stampfer, Geyer, Rinner, ebd., S. 206-211; Entwurf Decker, ebd., S. 206, Anm. 11; Prager Manifest, ebd., S. 218-22.

94 Georg Denicke (Pseudonym G. Decker; 1887–1965) war menschewistischer Politiker und Publizist, emigrierte 1918 nach Deutschland, arbeitete u.a. mit Naphtali in der Forschungsstelle für Wirtschaftspolitik zusammen. 1933 Saargebiet. 1935 Paris. 1940 in die USA.

95 Naphtali veröffentlichte bereits 1933 Artikel in der Gewerkschaftszeitung Davar, der Zeitschrift der Genossenschaften Ha-Meshek ha-Shitufi und dem Organ der Partei Ha-Po'el Ha-a'ir. Ferner war er als Wirtschaftsexperte in der Histadrut tätig.

96 Gemeint ist wohl das Wirtschaftliche Forschungsinstitut der Jewish Agency, das sich damals noch im Gründungsstadium befand. Am 4.8.1935 schickte Naphtali an den Vorsitzenden der Siedlungsabteilung Arthur Ruppin em „Memorandum zur Neuordnung des wirtschaftlichen Informationsapparates der Jewish Agency”. Die geplante Informationsfunktion geht aus der Korrespondenz zwischen der Wirtschaftsabteilung des Palästina Amts in Berlin mit David Horowitz (Jewish Agency, Jerusalem) hervor (Palästina-Amt an Horowitz 27.11.1935; Horowitz an Palästina-Amt 16.12. 1935, Zionistisches Zentralarchiv, S. 55/234). Offiziell wurde das Insfitut erst Ende 1935 gegründet.

97 Der Etat für Naphtalis Stellung am Technion in Haifa konnte erst August 1934 durch die Bemühungen Kaplanskys sichergestellt werden. Briefwechsel Kaplanskys mit der Zionistischen Exekutive August 1933 – September 1934, Zionistisches Zentralarchiv, S. 7/766.

98 Tatsächlich war Naphtali der einzige Sozialdemokrat, der eine führende Stellung in der Mapai erreichte. Hermann Badt (1887–1946). früher Ministerialdirektor im preussischen Innenministerium, betätigte sich in Erez-Israel hauptsächlich wirtschaftlich. Hilde Oppenheimer. früher Wirtschaftsreferentin im preussischen Innenministerium, fand Arbeit im wirtschaftlichen Forschungsinstitut der Jewish Agency. Vielleicht dachte Naphtali auch an seinen Freund Alfred Berger (1890–1940), der wie er in Berlin aktiver Sozialdemokrat und Zionist gewesen war. In einem Nachruf auf ihn schrieb Naphtali, dass die Partei es nicht verstanden hätte. von dieser wichtigen politischen Kraft richtigen Gebrauch zu machen. F. Naphtali, „Alfred Berger”, in: Ha-Po'el ha-Za'ir. 26.1.1940, S. 21-22. Naphtalis engster Freund und Vorgänger als Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Zeitung Ernst Kahn (1884–1959) übersiedelte erst 1935 nach Erez-Israel. Kurt Mendelsohn (1902–73), sein früherer Mitarbeiter in der Berliner Forschungsstelle, kam erst Ende 1938 aus Holland an. Über Kahns Ankunft: Tagebucheintragung Naphtalis vom 2.2.1937: über Mendelsohn: Mendelsohn an J. Ben-Aharon, 25.10.1938, Mapai-Archiv. 4/1/38.

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International Review of Social History
  • ISSN: 0020-8590
  • EISSN: 1469-512X
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