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Published online by Cambridge University Press: 22 April 2026
Die Methoden der Wortforschung können im allgemeinen nicht den Anspruch erheben, daβ sie mit den neuesten Erkenntnissen der Entwicklungsgeschichte Schritt gehalten haben. Es genügt nicht, Wurzelwörterbücher zusammenzustellen und alle Wörter, die die gleiche Wurzel haben, unter eine Rubrik zu bringen. Das ist eine gewiβ sehr notwendige und oft mühevolle Arbeit, aber sie endet meist auf einem toten Geleise. Was nützt uns beispielweise die Erkenntnis, daβ die semitische Wurzel p
hr ‘sammel’ bedeutet, und daβ behauptet wird, von dieser Wurzel stammen nun alle Wörter mit den Radikalen p
hr, einschlieβlich pa
hru Töpfer' (weil dieser den Ton ‘sammelt’)? Was nützt es uns, wenn die indogermanische Sprachwissenschaft feststellt, daβ agr- das gemeinsame Wort für ‘Acker’ ist, was nützt es, wenn wir eine semitische Wurzel
rq aufstellen, um dann zu behaupten, das Wort für ‘grün’ sei davon abgeleitet? Ist denn das ‘Sammeln’ früher als der Mensch, der sammelt, ist das ‘Grün’ eher als das ‘grüne Kraut’, kann man sich bei einem Urwort agr- überhaupt etwas denken? Das soll doch letzten Endes das Ziel der Sprachwissenschaft sein, die Entwicklung des menschlichen Denkens, das in der Sprache seinen beredtesten Ausdruck findet, zu erforschen, wenigstens soweit uns das möglich ist. Und es ist bei einigem guten Willen wirklich möglich, weiter zu kommen, wie nur an obigen Beispielen gezeigt werden soll.
1 Die hier gekennzeichnete Methode habe ich in meinem babylonischen Glossar zu den neubabylonischen Verträgen mit überraschendem Erfolge angewandt. Es ist bedauerlich, daβ das Erscheinen des Glossars, das in Hunderten von Fällen Klarheit schafft, finanziellen Schwierigkeiten begegnet.
2 Hierüber Näheres in einem Aufsatz über Akkadische Sprachellipsen (Orientalia).
3 Ich verweise auf mein Subartu (Berlin-Leipzig 1936).
4 Subartu 6 ff., was inzwischen manche Bestätigung gefunden hat.
5 Näheres an anderer Stelle.