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Das frühe Christentum und die Bildung*

  • Udo Schnelle (a1)
Abstract

Early Christianity is often regarded as an entirely lower-class phenomenon, and thus characterised by a low educational and cultural level. This view is false for several reasons. (1) When dealing with the ancient world, inferences cannot be made from the social class to which one belongs to one's educational and cultural level. (2) We may confidently state that in the early Christian urban congregations more than 50 per cent of the members could read and write at an acceptable level. (3) Socialisation within the early congregations occurred mainly through education and literature. No religious figure before (or after) Jesus Christ became so quickly and comprehensively the subject of written texts! (4) The early Christians emerged as a creative and thoughtful literary movement. They read the Old Testament in a new context, they created new literary genres (gospels) and reformed existing genres (the Pauline letters, miracle stories, parables). (5) From the very beginning, the amazing literary production of early Christianity was based on a historic strategy that both made history and wrote history. (6) Moreover, early Christians were largely bilingual, and able to accept sophisticated texts, read them with understanding, and pass them along to others. (7) Even in its early stages, those who joined the new Christian movement entered an educated world of language and thought. (8) We should thus presuppose a relatively high intellectual level in the early Christian congregations, for a comparison with Greco-Roman religion, local cults, the mystery religions, and the Caesar cult indicates that early Christianity was a religion with a very high literary production that included critical reflection and refraction.

German abstract: Das frühe Christentum gilt vielfach als reines Unterschichtsphänomen und damit auch als bildungsfern. Diese Sicht ist aus mehreren Gründen unzutreffend: (1) Von der Schichtenzugehörigkeit kann in der Antike nicht auf den Bildungsstand geschlossen werden. (2) In den frühchristlichen Stadtgemeinden konnten sicherlich mehr als 50% der Mitglieder ausreichend lesen und schreiben. (3) Die Sozialisation innerhalb der frühen Gemeinden vollzog sich maßgeblich durch Bildung und Literatur. Keine religiöse Gestalt wurde zuvor (und danach) so schnell und so umfassend literalisiert wie Jesus Christus! (4) Die frühen Christen traten als eine kreative literarische und denkerische Bewegung auf; sie lasen das Alte Testament in einem neuen Kontext, sie schufen neue Gattungen (Evangelien) und formten bestehende Gattungen um (Paulusbriefe, Wunder, Gleichnisse). (5) Von Anfang an basierte die erstaunliche Literaturproduktion des frühen Christentums auf einer historischen Strategie, die Geschichte schrieb und Geschichte machte. (6) Zudem waren die frühen Christen zu einem erheblichen Teil zweisprachig und in der Lage, höchst anspruchsvolle Schriften wie einen Paulusbrief oder ein Evangelium zu rezipieren und weiterzuverbreiten. (7) Wer sich der neuen Bewegung der Christen anschloss, trat schon früh in eine bereits ausgebildete Lehr- und Sprachwelt ein. (8) Deshalb ist in den Gemeinden ein relativ hohes intellektuelles Niveau vorauszusetzen, denn ein Vergleich mit der griechisch-römischen Religion, lokalen Kulten, den Mysterienreligionen und dem Kaiserkult zeigt, dass das frühe Christentum eine Religion mit einer sehr hohen Literaturproduktion sowie kritischer Reflexion und Brechung war.

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Presidential Address given at the 69th Annual Meeting of SNTS held in Szeged (Hungary), 5–8 August 2014.

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1 Nietzsche F., Der Antichrist (Hg. I. Frenzel; Werke in zwei Bänden, Bd. ii; München: Hanser, 1967) 488.

2 Nietzsche, Der Antichrist, 500.

3 Nietzsche, Der Antichrist, 500.

4 Deissmann A., Licht vom Osten (Tübingen: Mohr Siebeck, 1923 4) 209; vgl. 208: „Das Christentum beginnt nicht als literarische Bewegung. Sein schöpferisches Zeitalter ist unliterarisch.“

5 Vgl. als ein Beispiel Christes J., „Art. Bildung“, DNP ii (Stuttgart: Metzler, 1997) 671: „Jesus und seine Jünger standen der antiken Bildung fern. Die ‚Fischersprache’ der Bibel und rusticitas und simplicitas der Christen – überwiegend einfacher Leute – blieben lange geschmäht. Erst im Verlauf des 2. Jh. traten vermehrt Personen mit höherer Bildung dem Christentum bei.“

6 Theißen G., Die Entstehung des Neuen Testaments als literaturgeschichtliches Problem (Heidelberg: Winter, 2007) 349 (355: „Das Neue Testament ist unableitbare Urliteratur, unliterarische Kleinliteratur, jüdisch-hellenistische Koineliteratur“). Theißens Position ist merkwürdig unausgeglichen; auf der einen Seite hält er an den Dogmen der klassischen Formgeschichte fest (33: „Die urchristlichen Schriften waren gewiss Kleinliteratur. Das haben die Formgeschichtlicher richtig erkannt“), auf der anderen Seite sieht er klar, dass dieses Modell dem tatsächlichen literarischen Charakter der Schriften nicht gerecht wird, denn die urchristliche Literatur ist durch Grenzüberschreitungen gekennzeichnet: „Sie entwickelte sich an der Grenze von Mündlichkeit und Schriftlichkeit, Charisma und Institution, Unter- und Oberschicht, Juden und Heiden“ (355). Aus dem englischsprachigen Bereich vgl. z. Horsley B. R. A., „Unearthing a People's History“, Christian Origins (Hg. R. A. Horsley; Minneapolis: Fortress, 2005) 12: „It also calls into question the frequent assumption that early Christians were also literate and quickly also became a people of the book.“

7 Die neuere Diskussion im Umfeld der Entstehung der Logienquelle skizziert Labahn M., Der Gekommene als Wiederkommender: Die Logienquelle als erzählte Geschichte (ABG 32; Leipzig: EVA, 2010) 7393 ; er betont die Bedeutung von Schreibern in galiläischen Dörfern und Kleinstädten für die Entstehung der Logienquelle: „Die Literalisierung dieser im dörflichen Sozialleben zu verortenden Schreiberkaste ist höher einzustufen, als es gemeinhin geschieht“ (84).

8 Hinzu kommt der Einfluss der paganen Polemik gegen die Christen, die das Denken von Exegeten und Kirchengeschichtlern wesentlich bestimmt hat; vgl. exemplarisch Minucius Felix (spätes 2. Jh. n. Chr.): „Aus dem untersten Abschaum der Gesellschaft sammeln sich da die Ungebildeten und die leichtgläubigen Frauen, die wegen der Schwäche ihres Geschlechtes leicht zu beeinflussen sind; sie bilden eine gemeine Verschwörerbande, die sich in nächtlichen Zusammenkünften, bei regelmäßigem Fasten und unmenschlicher Speise nicht im Kult, sondern im Verbrechen verbrüdert; eine obskure, lichtscheue Brut, stumm in der Öffentlichkeit, nur in den Winkeln geschwätzig, … Welch unfassliche Dummheit, welch unglaubliche Frechheit“ (Octavius 8.4); zitiert nach Fiedrowicz M., Christen und Heiden: Quellentexte zu ihrer Auseinandersetzung in der Antike (Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 2004) 260.

9 Vgl. aber Müller P., „Das frühe Christentum und die Bildung“, Zukunftsfähige Bildung und Protestantismus (Hg. H. Rupp u.a.; Stuttgart: Calwer, 2002) 1728 ; Haacker K., „Bildungsvoraussetzungen der urchristlichen Mission“, Zeitumstände: Bildung und Mission. FS J. Ohlemacher (Hg. M. Herbst/R. Rosenstock/F. Bothe; Frankfurt: Lang, 2009) 1329 ; Th. Söding, „Das Urchristentum als Bildungsreligion“ (Universitätsreden 30; Bochum: Universitätsverlag, 2010) 1–31.

10 Zu den verschiedenen antiken Bildungskonzeptionen im griechischen und römischen Bereich vgl. Christes J./Klein R./Lüth Chr., Hg., Handbuch der Bildung und Erziehung in der Antike (Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 2006).

11 Vgl. dazu Quint., Inst. 1.4–10.

12 Vgl. Plut., Mor. 2A, wonach zur Erlangung der Tugend drei Aspekte zu vereinigen sind: „Natur, Unterricht und Gewohnheit (ϕύσιν καὶ λόγον καὶ ἔθος). Unter dem Unterricht verstehe ich das Erlernen, unter der Gewohnheit die Übung.“

13 Vgl. Socr. Epist. 6.5: „Den einzigen Ausgangspunkt für ein glückliches Leben bildet in meinen Augen die Einsicht.“

14 Vgl. Sen., Ep. 88.20: „Weshalb erziehen wir also unsere Söhne in den freien Studien? Nicht weil sie sittliche Vollkommenheit vermitteln, sondern weil sie die Seele zur Aufnahme der sittlichen Vollkommenheit vorbereiten“; 88.29–33: „Ich will die einzelnen Bereiche der sittlichen Vollkommenheit durchmustern. Die Tapferkeit (fortitudo) … Die Treue (fides) … Die Mäßigung (temperantia) … Die Menschlichkeit (humanitas) … (33) Eine große und umfassende Sache ist die Weisheit; sie braucht freien Raum; man muss etwas über Göttliches und Menschliches lernen, über Vergangenes und Zukünftiges, über Vergängliches und Ewiges, über die Zeit.“

15 Aus der Unzahl von Definitionen ein Beispiel: „Bildung ist der Erwerb eines Systems moralisch erwünschter Einstellungen durch die Vermittlung und Aneignung von Wissen derart, dass Menschen im Bezugssystem ihrer geschichtlich-gesellschaftlichen Welt wählend, wertend und stellungnehmend ihren Standort definieren, Persönlichkeitsprofil bekommen und Lebens- und Handlungsorientierung gewinnen. Man kann stattdessen auch sagen, Bildung bewirke Identität und hat damit den Zusammenhang vor Augen, den das Thema ‚Bildung und Identität’ herstellen will“; Kössler H., „Bildung und Identität“, in ders., Identität: Fünf Vorträge (Erlangen: Universitätsverlag, 1989) 56.

16 Vgl. Hatch E., Griechentum und Christentum (Freiburg: Mohr, 1892) 2535 (für das 1. Jh. n. Chr. gilt: „Aus den vorhandenen Zeugnissen kann man schließen, dass fast in jeder Stadt Elementarschulen bestanden. Dort erhielt die gesamte Jugend die Elemente ihrer Bildung“, 25); Marrou H. I., Geschichte der Erziehung im klassischen Altertum (München: dtv, 19772 = 1948/1955) 493, wonach „für die größte Zahl der Kinder die Schule die Regel ist. Die kleinen Mädchen, so scheint es, besuchen sie genauso wie die Knaben.“ Dafür verweist er auf Martial 9.68: „Verdammter Lehrer du, was haben wir dir bloß getan? Ein Greuel bist du allen Knaben, allen Mädchen! Kaum fangen früh die Hähne zu krähen an, da tönst du schreiend, prügelnd durch das Städtchen.“

17 Vgl. Harris W. V., Ancient Literacy (Cambridge, MA: Harvard University Press, 1989) 328–9 (für das 5. Jh. v. Chr. rechnet er mit 15% der männlichen Gesamtbevölkerung, für den Zeitraum ab 100 v. Chr. mit 10% der Gesamtbevölkerung, in einzelnen hellenistischen Städten 30–40% der freigeborenen Männer). Sein Fazit: „The written culture of antiquity was in the main restricted to a privileged minority – though in some places it was quite a large minority – and it coexisted with elements of an oral culture“ (337).

18 Vgl. Millard A. R., Pergament und Papyrus, Tafeln und Ton: Lesen und Schreiben zur Zeit Jesu (Gießen: Brunnen, 2000) 155–6, der gegenüber einer Beschränkung des Lesens und Schreibens auf Eliten betont: „In diesem Kapitel werden wir versuchen, eine positivere Sicht darzustellen, unter Berücksichtigung von Hinweisen aus griechisch-römischen Texten aller Art.“

19 Vgl. dazu Bagnall R. S., Everyday Writing in the Graeco-Roman East (Berkeley: University of California Press, 2010); ferner Johnson W. A./Parker H. N., Hg., Ancient Literacies: The Culture of Reading in Greece and Rome (Oxford: Oxford University Press, 2009).

20 Ein Beispiel: Cic. Phil. 2.97, erwähnt Schuldscheine und sagt dann: „Dafür gibt es schon Händler, die das Zeug wie Programme/Eintrittskarten (libellos) für Gladiatorenkämpfe öffentlich feilbieten.“

21 Vgl. dazu B. Dreyer, „Medien für Erziehung, Bildung und Ausbildung in der Antike“, Handbuch der Bildung und Erziehung in der Antike (Hg. Christes/Klein/Lüth) 223–50.

22 Vgl. von den Hoff R./Stroh W./Zimmermann M., Divus Augustus (München: Beck, 2014) 190: „Aus allen 450 Jahren der römischen Republik ist ungefähr die gleiche Anzahl von inschriftlichen Texten erhalten wie aus den 44 Jahren der Herrschaft des Augustus; auf eine alte kamen mithin zehn neue Inschriften.“

23 Vgl. dazu Hüttemann A., Hg., Pompejanische Inschriften (Stuttgart: Reclam, 2010); Huninck V., Hg., Glücklich ist dieser Ort! 1000 Graffiti aus Pompeji (Stuttgart: Reclam, 2011).

24 Vgl. Weeber K.-W., Alltag im Alten Rom, Bd. i (Düsseldorf: Patmos, 2003 7) 312: „Der Alphabetisierungsgrad der Stadtbevölkerung war relativ hoch; der größere Teil der Kinder hat wohl eine Elementar-Schule besucht und zwar etwa vier Jahre lang im Alter zwischen ungefähr 7 und 11.“

25 Vgl. R. Baumgarten, „Elementar- und Grammatikunterricht: Griechenland“, Handbuch der Bildung und Erziehung in der Antike (Hg. Christes/Klein/Lüth) 89–100, hier 94, wonach „verhältnismäßig viele Menschen in der besagten elementaren Form alphabetisiert waren, ein selbständiges Lesen oder gar Verfassen längerer Texte aber einer Minderheit vorbehalten blieb.“

26 Vgl. hier zuletzt Ebner M., Die Stadt als Lebensraum der ersten Christen (Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 2012); Bendemann R. v./Tiwald M., Hg., Das frühe Christentum und die Stadt (BWANT 198; Stuttgart: Kohlhammer, 2012); Pilhofer P., „Städtische Wurzeln des frühen Christentums“, ThPQ 161 (2013) 158–65.

27 Zum Stellenwert von Bildung vgl. z. B. Philo, Spec. leg. 2.61–2, wo er das Arbeitsverbot am Sabbat mit der Aufforderung verbindet, sich an diesem Tag mit der Philosophie zu beschäftigen: „Es stehen nämlich an den Sabbaten in allen Städten zahllose Lehrhäuser der Einsicht, der Besonnenheit, der Tapferkeit, der Gerechtigkeit und den anderen Tugenden offen.“ Zum zeitgenössischen jüdischen Unterrichtswesen vgl. Safrai S., „Education and the Study of the Torah“, The Jewish People in the First Century (Hg. S. Safrai/M. Stern; CRINT i/2; Assen/Amsterdam: Van Gorcum, 1976) 945–70; Riessner R., Jesus als Lehrer (WUNT 2.7; Tübingen: Mohr Siebeck, 1988 3) 97245 . Kritisch hingegen Hezser C., Jewish Literacy in Roman Palestine (TSAJ 81; Tübingen: Mohr Siebeck, 2001), die vermutet, dass in Palästina noch weniger Menschen lesen und schreiben konnten als im Rest des Römischen Reiches.

28 Vgl. z. B. Sen. Ep. 95.2; Plin. Ep. 1.13.

29 So gehörten z. B. zu den Studenten Epiktets hauptsächlich Mittellose, denen er zuruft: „Wenn ihr euch heute satt gegessen habt, sitzt ihr und weint wegen des morgigen Tages, woher ihr zu essen bekommen sollt“ (Diss. 1.9.19). Vgl. aus althistorischer Sicht: Weiß A., „Deissmann und die Unterschichtentheorie“, Adolf Deissmann – ein (zu Unrecht) fast vergessener Theologe und Philologe (Hg. C. Breytenbach/Chr. Markschies; Berlin: De Gruyter, 2015) 119 , hier 14: „Bildung ist kein tragfähiges Schichtungskriterium für die römische Gesellschaft“ (zitiert nach MS).

30 Vgl. ferner Eph 4.11; Jak 3.1; Did 11–15; zur Sache vgl. Zimmermann A. E., Die urchristlichen Lehrer (WUNT 2.12; Tübingen: Mohr Siebeck, 1984).

31 So sprachen z. B. die in Rom und Kleinasien tätigen Prisca und Aquila (vgl. Apg 18.2; 1 Kor 16.19; Röm 16.3) mit Sicherheit Latein und Griechisch. Mehrsprachigkeit (Latein/Griechisch) galt in der Antike als ein hervorstechendes Bildungsmerkmal, das von Anfang an Ziel gehobener Erziehung und Bildung war, vgl. Quint. Inst. 1.1.12–14: „Mit der griechischen Sprache soll der Knabe am besten anfangen, weil er das Lateinische, sowieso … in sich aufsaugen wird“; vgl. dazu auch Fantham E., Literarisches Leben im antiken Rom (Stuttgart/Weimar: Metzler, 1998) 2130 .

32 Vgl. Dibelius M., Die Formgeschichte des Evangeliums (Tübingen: Mohr Siebeck, 1971 6 = 1919); ders., Geschichte der urchristlichen Literatur (TB 58; München: Kaiser, 1975 = 1926); Bultmann R., Die Geschichte der synoptischen Tradition (FRLANT 29; Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 1970 8 = 1921).

33 Vgl. Dibelius, Formgeschichte, 2: „Die urchristliche Literatur hat sich aus privaten Niederschriften bis an die Grenze der großen Literatur entwickelt; nur zwei oder drei ihrer Texte gehören in die Nähe eines Philon oder Josephus. Alles übrige ist nichtliterarisch oder Klein-Literatur. Diese Entwicklung verläuft ohne direkte Fühlung mit der großen Literatur.“ Bultmann übernimmt diese Sicht und will den Evangelien keine literarische Gattungsqualität zusprechen. So gilt: „Mk ist eben noch nicht in dem Maße Herr über den Stoff geworden, daß er eine Gliederung wagen könnte“ (Bultmann, Geschichte der synoptischen Tradition, 375) und alle Evangelisten verfügen „nicht über die für die hohe Literatur ausgebildete Kompositionstechnik“ (397). Diesem Konzept verhaftet bleiben Vielhauer Ph., Geschichte der urchristlichen Literatur (Berlin: de Gruyter, 1975), und sein Schüler G. Theißen, Die Entstehung des Neuen Testaments.

34 Vgl. Thukydides, Xenophon, Isokrates, Demosthenes, Lysias und deren Nachahmer, die Eduard Norden als „Kunstprosa“ klassifiziert hatte; vgl. Norden E., Die antike Kunstprosa vom vi. Jahrhundert v. Chr. bis in die Zeit der Renaissance (2 Bde.; Leipzig: Teubner, 1898).

35 Zum Beispiel die Kynikerbriefe; vgl. hier Malherbe A. J., Hg., The Cynic Epistles (Atlanta: SBL, 1977); Müseler E., Hg., Die Kynikerbriefe (2 Bde.; Paderborn: Schöningh, 1994).

36 Browning R., „Von der Koine bis zu den Anfängen des modernen Griechisch“, Einleitung in die griechische Philologie (Hg. H.-G. Nesselrath; Stuttgart/Leipzig: Teubner 1997) 156–62 unterscheidet zwischen der volkssprachlichen und der literarischen Koine, zu der er z. B. das Neue Testament und Epiktet zählt. Vgl. ferner Reiser M., Sprache und literarische Formen des Neuen Testaments (Paderborn: Schöningh, 2001) 2930 : „Die Autoren des Neuen Testaments zeigen durchweg beachtliche literarische Fähigkeiten und sind sich ihres Griechisch vollkommen sicher“; vgl. ferner S. Porter E./Pitts A. W., Hg., Language of the New Testament: Context, History and Development (Leiden: Brill, 2013).

37 Zur neueren Formgeschichte vgl. einerseits Byrskog S., Story as History – History as Story (WUNT 123; Tübingen: Mohr Siebeck, 2000); Riesner R., „Die Rückkehr der Augenzeugen“, TheolBeitr 38 (2007) 337–52; Baum A. D., Der mündliche Faktor und seine Bedeutung für die synoptische Frage (TANZ 49; Tübingen: Francke, 2008), die jeweils die stabile mündliche Überlieferung betonen; andererseits Berger K., Formgeschichte des Neuen Testaments (Heidelberg: Quelle & Meyer, 1984); Dormeyer D., Das Neue Testament im Rahmen der antiken Literaturgeschichte (Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 1993), die die Stabilität der hellenistischen Gattungen hervorheben. Weiterführend ist vor allem die Konzentration auf einzelne Gattungen; vgl. Zimmermann R., Hg., Kompendium der Gleichnisse Jesu (Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 2007); ders., Hg., Kompendium der frühchristlichen Wundererzählungen, Bd. i (Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 2013).

38 Zur Literaturgattung Evangelium vgl. zuletzt Burridge R. A., What are the Gospels? (Grand Rapids: Eerdmans, 2004 2); Frickenschmidt D., Evangelium als Biographie (TANZ 22; Tübingen: Francke, 1997); Dormeyer D., Das Markusevangelium als Idealbiographie von Jesus Christus, dem Nazarener (SBB 43; Stuttgart: Katholisches Bibelwerk, 1999); Wördemann D., Das Charakterbild des bíos nach Plutarch und das Christusbild im Evangelium nach Markus (Paderborn: Schöningh, 2002); Perkins Ph., Introduction to the Synoptic Gospels (Grand Rapids: Eerdmans, 2007); Boring M. E., An Introduction to the New Testament (Louisville: Westminster John Knox, 2012) 467519 (Zwei-Quellen-Theorie und Entstehung der markinischen Gattung „Evangelium“).

39 Vgl. Rüsen J., „Kann gestern besser werden? Über die Verwandlung der Vergangenheit in Geschichte“, in ders., Kann gestern besser werden? (Berlin: Kulturverlag Kadmos, 2003) 2930 , wonach „Meistererzählungen“ den Menschen „eine Vorstellung von ihrer Zugehörigkeit, ihrer kollektiven Identität, vermitteln: nationale Begründungs- und Erfolgsgeschichten, religiöse Heilsgeschichten“.

40 Koschorke A., Wahrheit und Erfindung: Grundzüge einer Allgemeinen Erzähltheorie (Frankfurt: S. Fischer, 2012) 396.

41 Koschorke, Wahrheit und Erfindung, 397.

42 Zu den paulinischen Briefen vgl. Deissmann, Licht vom Osten; Roller O., Das Formular der paulinischen Briefe (BWANT 4.6; Stuttgart: Kohlhammer, 1933); White J. L., Light from Ancient Letters (Philadelphia: Fortress, 1986); S. Stowers K., Letter Writing in Greco-Roman Antiquity (Philadelphia: Fortress, 1986); Schnider F./Stenger W., Studien zum neutestamentlichen Briefformular (NTTS xi; Leiden: Brill, 1987); Klauck H.-J., Die antike Briefliteratur und das Neue Testament (Paderborn: Schöningh, 1998); Eckstein P., Gemeinde, Brief und Heilsbotschaft: Ein phänomenologischer Vergleich zwischen Paulus und Epikur (HBS 42; Freiburg: Herder, 2004); S. Porter E., Hg., Paul and the Ancient Letter Form (FAST 6; Leiden: Brill, 2010); Th. Bauer J., Paulus und die kaiserzeitliche Epistolographie (WUNT 276; Tübingen: Mohr Siebeck, 2011); Doering L., Ancient Jewish Letters and the Beginnings of Christian Epistolography (WUNT 298, Tübingen: Mohr Siebeck, 2012); Hoegen-Rohls Chr., Zwischen Augenblickskorrespondenz und Ewigkeitstexten: Eine Einführung in die paulinische Epistolographie (BThSt 135; Neukirchen: Neukirchener, 2013); Breytenbach C., „Die Briefe des Paulus: Kreuzpunkt griechisch-römischer Traditionen“, Paul's Graeco-Roman Context (Hg. C. Breytenbach; CBL 62; Leuven: Peeters, 2015) 119 .

43 Vgl. als Initialzündung Betz H. D., „The Literary Composition and Function on Paul's Letter to the Galatians“, NTS 21 (1975) 352–79, der eine Fragestellung des ausgehenden 19. Jh. wieder fruchtbar machte (vgl. Weiss J., Beiträge zur paulinischen Rhetorik (Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 1897 ).

44 Nach Arzt-Grabner P., 2. Korinther (PKNT 4; Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 2014) 5461 ist der längste dokumentierte Papyrusbrief (P. Ammon i.3 mit BL xii.4), so lang wie der Galaterbrief. Der 2 Korintherbrief wiederum ist doppelt so lang wie der Galaterbrief, der 1 Korinther- und der Römerbrief sind entsprechend länger; eine Auflistung findet sich bei O'Neill J. C., „Paul Wrote Some of All, but Not All of Any“, The Pauline Canon (Hg. S. Porter; Pauline Studies i; Leiden: Brill 2004) 169–88, hier 171.

45 Vgl. Keck L. E., Romans (Nashville, TN: Abingdon, 2005) 20–5.

46 Zur Diskurs-Theorie vgl. Keller R., Diskursforschung (Wiesbaden: VS, 2004 2); M. u. Jäger S., Deutungskämpfe: Theorie und Praxis kritischer Diskursanalyse (Wiesbaden: VS, 2007); Landwehr A., Historische Diskursanalyse (Frankfurt: Campus, 2008).

47 Zur Analyse vgl. zuletzt Hoegen-Rohls, Zwischen Augenblickskorrespondenz und Ewigkeitstexten, 25–39.

48 Vgl. Schnelle U., „Heilsgegenwart: Christologische Hoheitstitel bei Paulus“, Paulinische Christologie: FS Hans Hübner (Hg. U. Schnelle/Th. Söding /M. Labahn; Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 2000) 178–93.

49 Vgl. Hoegen-Rohls, Zwischen Augenblickskorrespondenz und Ewigkeitstexten, 90.

50 So treffend Hoegen-Rohls, Zwischen Augenblickskorrespondenz und Ewigkeitstexten, 92–117 (die Paulusbriefe als „kerygmatische Briefe“).

51 Vgl. Stegemann E./Stegemann W., Urchristliche Sozialgeschichte (Stuttgart: Kohlhammer, 1997 2) 260: „Eine Untersuchung der paulinischen Selbstzeugnisse legt demgegenüber zwingend nahe, daß Paulus zur antiken Unterschicht (oberhalb des Existenzminimums, relativ arm) gehörte und sich durchaus auch selbst so verstand.“

52 Vgl. Vegge T., Paulus und das antike Schulwesen (BZNW 134; Berlin: de Gruyter, 2006) 423: „Die Erstellung eines abgeschlossenen und hinsichtlich Disposition und Stil durchgearbeiteten Textes setzte eine gründliche Ausbildung in Grammatik- und Rhetorikschule voraus. Die Qualität der paulinischen Texte belegt folglich die solide allgemeine literarische Ausbildung, die Vertrautheit mit Form und Inhalt der rhetorischen und philosophischen Rede ihres Autors.“

53 Vgl. Arzt-Grabner P., „Gott als verlässlicher Käufer: Einige Papyrologische Anmerkungen und bibeltheologische Schlussfolgerungen zum Gottesbild der Paulusbriefe“, NTS 57 (2011) 392414 .

54 Vgl. dazu Straub J., „Art. Identität“, Handbuch der Kulturwissenschaften i (Hg. F. Jaeger/B. Liebsch; Stuttgart: Metzler, 2004) 277303 .

55 Vgl. Dtn 21.22–3; 11Q19 LXIV 16–20; Josephus, BJ 7.203; weitere Belege bei Kuhn H.-W., „Jesus als Gekreuzigter in der frühchristlichen Verkündigung bis zur Mitte des 2. Jahrhunderts“, ZThK 72 (1975) 146 , hier 7ff.; zur Kreuzigung in der Antike vgl. ferner Hengel M., „Mors turpissima crucis: Die Kreuzigung in der antiken Welt und die ‚Torheit’ des ‚Wortes vom Kreuz’“, in Rechtfertigung: FS E. Käsemann (Hg. J. Friedrich/W. Pöhlmann/P. Stuhlmacher; Tübingen: Mohr Siebeck, 1976) 125–84; H.-W. Kuhn, „Die Kreuzesstrafe während der frühen Kaiserzeit“ (ANRW ii.25/1; Berlin: de Gruyter, 1982) 648–793; Cook J. G., Roman Crucifixion in the Mediterranean World (WUNT 327; Tübingen: Mohr Siebeck, 2014).

56 Zum Kreuz in der paulinischen Theologie vgl. Käsemann E., „Die Heilsbedeutung des Todes Jesu bei Paulus“, in ders., Paulinische Perspektiven (Tübingen: Mohr Siebeck, 1972 2) 61107 ; Weder H., Das Kreuz Jesu bei Paulus (FRLANT 125; Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 1981); Sellin G., Der Streit um die Auferstehung der Toten (FRLANT 138; Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 1986); Söding Th., Das Wort vom Kreuz. Studien zur paulinischen Theologie (WUNT 93; Tübingen: Mohr Siebeck, 1997); Dunn J. D. G., The Theology of Paul the Apostle (Grand Rapids/Cambridge: Eerdmans, 1998) 208–12; Dettwiler A./Zumstein J., Hg., Kreuzestheologie im Neuen Testament (WUNT 151; Tübingen: Mohr Siebeck, 2002); Schnelle U., Paulus: Leben und Denken (Berlin: de Gruyter, 2014 2) 462–7; Wright N. T., The Resurrection of the Son of God (Minneapolis: Fortress, 2003).

57 Vgl. Blass F./Debrunner A./Rehkopf F., Grammatik des neutestamentlichen Griechisch (Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 1984 16) §340: das Perfekt drückt „die Dauer des Vollendeten“ aus.

58 Vgl. dazu Voss F., Das Wort vom Kreuz und die menschliche Vernunft (FRLANT 199; Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 2002); Kammler H.-Chr., Kreuz und Weisheit (WUNT 159; Tübingen: Mohr Siebeck, 2003).

59 Vgl. hier M. Ebner, „Kreuzestheologie im Markusevangelium“, Kreuzestheologie im Neuen Testament (Hg. Dettwiler/Zumstein) 151–68.

60 Vgl. Weber R., „Christologie und ‚Messiasgeheimnis’: Ihr Zusammenhang und Stellenwert in den Darstellungsintentionen des Markus“, EvTh 43 (1983) 108–25.

61 Zum Kaiser als „Sohn Gottes“ vgl. die Texte zu Mk 15.39 in Neuer Wettstein, Bd. i/1.1 (Hg. U. Schnelle/M. Lang/M. Labahn; Berlin: de Gruyter, 2008); zum Kaiser als Gottheit vgl. Clauss M., Kaiser und Gott (Stuttgart/Leipzig: Teubner, 1999) 217419 .

62 Vgl. hier Söding Th., Glaube bei Markus (SBB 12; Stuttgart: Katholisches Bibelwerk, 1987 2).

63 Nach wie vor lesenswert: Grässer E., Der Glaube im Hebräerbrief (MThSt 2; Marburg: Elwert, 1965).

64 Eine Übersicht vermitteln: Lührmann D., Glaube im frühen Christentum (Gütersloh: Gütersloher, 1976); Schnelle U., „Glaube“, Neues Testament: Zentrale Themen (hg. L. Bormann; Neukirchen: Neukirchener, 2014) 275–93.

65 Vergleichbar ist nur der Hebräerbrief, bei dem sich allerdings von 32 πίστις-Belegen allein 24 in Hebr 11 finden.

66 Vgl. Lührmann D., „Pistis im Judentum“, ZNW 64 (1973) 1938 ; Barth G., ‘Pistis in hellenistischer Religiosität’, in ders., Neutestamentliche Versuche und Beobachtungen (Waltrop: Spenner, 1996) 169–94, hier 173–6; Schunack G., „Glaube in griechischer Religiosität“, Antikes Judentum und Frühes Christentum: FS H. Stegemann (Hg. B. Kollmann/W. Reinbold/A. Steudel; BZNW 97; Berlin/New York: de Gruyter, 1999) 296326 , hier 299–317. Eine umfassende Darstellung des griechischen, jüdischen und lateinischen Sprachhintergrundes bietet Schumacher Th., Zur Entstehung christlicher Sprache: Eine Untersuchung der paulinischen Idiomatik und der Verwendung des Begriffes πίστις (BBB 168; Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 2012) 199299 .

67 Vgl. Barth G., ‘Art. πίστις’, EWNT iii (Stuttgart: Kohlhammer, 1983) 216–31, hier 220.

68 Wolter Anders M., Paulus (Neukirchen: Neukirchener, 2011) 7296 , der die menschliche Deutung bzw. Zustimmung als Ausdruck ihrer „Wirklichkeitsgewissheit“ zum Subjekt des Glaubens macht; vgl. Wolter, Paulus, 72, wo es über die paulinische Evangeliumsverkündigung heißt: „Die Botschaft will von den Menschen, denen sie ausgerichtet wird, angenommen werden. Diese Reaktion auf Seiten der Adressaten und Hörer der Verkündigung des Evangeliums nennt Paulus ‚Glaube’ (πίστις) und ‚glauben’ (πιστεύειν).“

69 Vgl. dazu die grundlegenden Überlegungen von Friedrich G., „Glaube und Verkündigung bei Paulus“, Glaube im Neuen Testament: FS H. Binder (Hg. F. Hahn/H. Klein, BThSt 7; Neukirchen: Neukirchener, 1982) 93113 , hier 100ff.

70 Bultmann Gegen R., Theologie des Neuen Testaments (Tübingen: Mohr Siebeck, 1977 7) 331, der behauptet, „daß Pls die πίστις nicht als inspiriert bezeichnet, sie nicht auf das πνεῦμα zurückführt“.

71 Vgl. Friedrich, „Glaube und Verkündigung bei Paulus“, 102–6.

72 Vgl. Schliesser B., Was ist Glaube? (Zürich: TVZ, 2011) 98: „Pistis ist zum einen ‚göttliche Geschehenswirklichkeit’ und Signatur der neuen Heilszeit, die im Christusgeschehen begründet liegt. Zum anderen ist pistis als Glaube an das Evangelium die menschliche Entsprechung zu diesem Geschehen.“

73 Vgl. hier Schlier H., „Glauben, Erkennen, Lieben nach dem Johannesevangelium“, in ders., Aufsätze zur Biblischen Theologie (Leipzig: St. Benno, 1968) 290302 ; Hahn F., „Das Glaubensverständnis im Johannesevangelium“, Glaube und Eschatologie: FS W. G. Kümmel (Hg. E. Gräßer/O. Merk; Tübingen: Mohr Siebeck, 1985) 5169 ; Hergenröder C., Wir schauten seine Herrlichkeit (FzB 80; Würzburg: Echter, 1996).

74 Vgl. hier Schnelle U., Antidoketische Christologie im Johannesevangelium (FRLANT 144; Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 1987) 182–94.

75 Gegen Bultmann, Theologie, 425, der behauptet: „Der echte Glaube darf nicht mit einem scheinbaren verwechselt werden, der etwa durch die σημεῖα Jesu geweckt ist ...“

76 Zu γινώσκειν vgl. Strecker G., Die Johannesbriefe (KEK 14; Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 1989) 319–25.

77 Ausführliche Analysen der relevanten Texte bei Hergenröder, Wir schauten seine Herrlichkeit, 56ff.

78 Vgl. dazu Conzelmann H., „Paulus und die Weisheit“, in ders., Theologie als Schriftauslegung (BEvTh 65; München: Kaiser, 1974) 177–90; H. Ludwig, „Der Verfasser des Kolosserbriefes: Ein Schüler des Paulus“ (Diss. theol., Göttingen, 1974) 201–29; Conzelmann H., „Die Schule des Paulus“, Theologia Crucis – Signum Crucis: FS E. Dinkler (Hg. C. Andresen/G. Klein; Tübingen: Mohr Siebeck, 1979) 8596 ; Standhartinger A., Studien zur Entstehungsgeschichte und Intention des Kolosserbriefes (NT.S 94; Leiden: Brill, 1999) 110 , 277–89; L. Alexander, „Paul and the Hellenistic Schools: The Evidence of Galen“, Paul in his Hellenistic Context (Hg. T. Engberg-Pedersen; Minneapolis: Fortress) 60–83; Schnelle U., „Denkender Glaube: Schulen im Neuen Testament“, Von Rom nach Bagdad (Hg. P. Gemeinhardt/S. Günther; Tübingen: Mohr Siebeck, 2013) 81110 . Müller P., Anfänge der Paulusschule (AThANT 74; Zürich: TVZ, 1988) 270320 ; Frenschkowski M., „Pseudepigraphie und Paulusschule“, Das Ende des Paulus (Hg. F. W. Horn; BZNW 106; Berlin: de Gruyter, 2001) 239–72, beschränken das Phänomen der Paulusschule auf die Deuteropaulinen. Umfassende Kritik an der These einer Paulusschule findet sich bei Schmeller Th., Schulen im Neuen Testament? (HBS 30; Freiburg: Herder, 2001).

79 Wahrscheinlich wurden alle Paulusbriefe über mehrere Tage bzw. eine längere Zeit geschrieben. Dies legen die sorgfältige Disposition (den gesamten Text der Briefe konnte Paulus nicht einfach „im Kopf“ haben), die Länge (lediglich Phlm entspricht einem „Normalbrief“) und die Produktionsbedingungen der Briefe nahe (Schreibmaterial und Schreiber mussten immerhin verfügbar sein). Für den Römerbrief ist das evident (vgl. Röm 16.22: Tertius, der Briefschreiber; vgl. ferner Gal 6.11), für die Korintherbriefe (16 und 13 Kapitel) sehr wahrscheinlich. Hochgestellte Persönlichkeiten des römischen Lebens wie Plinius d. J. bedienten sich natürlich auch eines Sekretärs und entwarfen ihre Werke/Briefe ebenfalls über einen längeren Zeitraum: „Ich überdenke, was ich gerade in Arbeit habe, überdenke es, als ob ich es Wort für Wort niederschreibe und verbessere, bald weniger, bald mehr, je nachdem, wie leicht oder schwer es sich ausarbeiten oder beibehalten lässt. Dann rufe ich meinen Sekretär, lasse das Tageslicht ein und diktiere ihm, was ich entworfen habe; er geht ab, wird noch einmal gerufen und wieder weggeschickt“ (Ep. 9.36.2).

80 Die Co-Autorenschaft als ein (in der Antike seltenes!) Form-Element der Briefe und ein Indiz für eine Paulusschule zu Lebzeiten des Apostels muss ernster genommen werden als bisher. Zugleich ist sie aber gerade kein Argument, um Pseudepigraphen wie den 2 Thessalonicherbrief (neben Silvanus und Timotheus) auch Paulus zuzuschreiben; so aber in Teilen der englischsprachigen Exegese; vgl. z. Donfried B. K. P., „Issues of Authorship in the Pauline Corpus: Rethinking the Relationship between 1 and 2 Thessalonians“, 2 Thessalonians and Pauline Eschatology (Hg. Chr. Tuckett; Leuven: Peeters, 2013) 81113 . Der sekundäre Charakter des 2 Thessalonicherbriefes auf sprachlicher und motivgeschichtlicher Ebene wurde zuletzt wieder nachgewiesen von Chr. Kreinecker M., 2. Thessaloniker (PKNT 3; Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 2010).

81 Vgl. Bauer, Paulus und die kaiserzeitliche Epistolographie, 386, der im Hinblick auf den Gal betont, „dass der Verfasser des Briefes über grundlegende Kenntnisse in der antiken Rhetorik und Epistolographie verfügte, die er durch eine höhere Schulbildung erworben hat. Wie beim Philemonbrief muss jedoch – wie bereits angemerkt – auch beim Galaterbrief damit gerechnet werden, dass der Sekretär und eventuell auch andere Mitarbeiter des Paulus, die an der Abfassung des Galaterbriefes beteiligt gewesen sein könnten, auf Form und Inhalt des Briefes Einfluss genommen haben könnten“.

82 Grundlegend nach wie vor Ollrog W.-H., Paulus und seine Mitarbeiter (WMANT 50; Neukirchen: Neukirchener, 1979); vgl. ferner Reck R., Kommunikation und Gemeindeaufbau (SBB 22; Stuttgart: Katholisches Bibelwerk, 1991).

83 Vgl. hier von Lips H., Timotheus und Titus: Unterwegs für Paulus (Leipzig: EVA, 2008).

84 Weitere wichtige Mitarbeiter waren: Erastos, Gaius, Aristarchos, Sosipater, Jason, Epaphras und Epaphroditus.

85 Vgl. Pervo R. I., The Making of Paul (Minneapolis: Fortress, 2010) 9: „From the available data it is reasonable to postulate the emergence of one or more Pauline ‘schools’, in more or less the sense of ancient philosophy: a nucleus of pupils engaged in the study and application of the master's words.“

86 Zur Paulusrezeption der Deuteropaulinen und der Apg vgl. Lindemann A., Paulus im ältesten Christentum (BHTh 58; Tübingen: Mohr Siebeck, 1979) 3668 , 114–49, 163–73; Dassmann E., Der Stachel im Fleisch: Paulus in der frühchristlichen Literatur bis Irenäus (Münster: Aschendorff, 1979) 2234 , 45–57, 158–73; Kertelge K., Hg., Paulus in den ntl. Spätschriften (QD 89; Freiburg: Herder, 1981); Müller, Anfänge der Paulusschule, 5–269 (2 Thess/Kol); Pervo, The Making of Paul, 63–96, 149–56; Schnelle U., „Paulus und die Anfänge einer christlichen Überlieferungskultur“, Paulus und Paulusbilder (Hg. M. Lang; ABG 31; Leipzig: EVA, 2013) 191219 .

87 Vgl. dazu Krumbiegel F., Erziehung in den Pastoralbriefen (ABG 44; Leipzig: EVA, 2013).

88 Vgl. hier Heininger B., „Einmal Tarsus und zurück (Apg 9,30; 11,25–26): Paulus als Lehrer nach der Apostelgeschichte“, MThZ 49 (1998) 125–43.

89 Nach wie vor grundlegend: Dibelius M., ‘Paulus auf dem Areopag’, in ders., Aufsätze zur Apostelgeschichte (FRLANT 60; Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 1951) 2970 , der völlig zu Recht diesen Abschnitt als „einen Höhepunkt des Buches“ (29) bezeichnet; vgl. ferner Lang M., Die Kunst des christlichen Lebens (ABG 29; Leipzig: EVA, 2008) 251314 .

90 Zur ausführlichen Begründung einer johanneischen Schule vgl. Culpepper R. A., The Johannine School (SBL.DS 26; Missoula: SBL, 1975); Cullmann O., Der johanneische Kreis (Tübingen: Mohr Siebeck, 1975); Strecker G., „Die Anfänge der johanneischen Schule“, NTS 32 (1986) 3147 ; Hengel M., Die johanneische Frage (WUNT 67; Tübingen: Mohr Siebeck, 1993) 219–52; Schnelle U., „Die johanneische Schule“, Bilanz und Perspektiven gegenwärtiger Auslegung des Neuen Testaments: FS G. Strecker (Hg. F. W. Horn; BZNW 75; Berlin: de Gruyter, 1995) 198217 . Kritisch zur Existenz einer joh. Schule äußert sich Chr. Cebulj, „Johannesevangelium und Johannesbriefe“, in Schmeller, Schulen im Neuen Testament?, 254–342.

91 Alle großen Denker im zeitlichen Umfeld des Neuen Testaments waren Theo-logen (z. B. Cicero, Philo, Seneca, Epiktet, Plutarch, Dio Chrysostomus). Dies ist nicht verwunderlich, denn jedes bedeutende System der griechisch-römischen Philosophie gipfelt in einer Theologie; vgl. hier Jaeger W., Die Theologie der frühen griechischen Denker (Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 1964); Weischedel W., Der Gott der Philosophen, Bd. i (München: dtv, 1985 2) 3969 ; Verweyen H. J., Philosophie und Theologie: Vom Mythos zum Logos zum Mythos (Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 2005) 39127 .

92 Nach Mus, Diss. 7, hat der Philosoph nur eine Aufgabe: „Zu wissen, was zur Glückseligkeit oder zum Unglück des Menschen führt.“ Für Epiktet vgl. Schnelle U., „Paulus und Epiktet – zwei ethische Modelle“, Jenseits von Indikativ und Imperativ (Hg. F. W. Horn/R. Zimmermann, WUNT 238; Tübingen: Mohr Siebeck, 2009) 137–58; Vollenweider S., „Lebenskunst als Gottesdienst: Epiktets Theologie und ihr Verhältnis zum Neuen Testament“, Epiktet, Was ist wahre Freiheit? (Hg. S. Vollenweider; Sapere 22; Tübingen: Mohr Siebeck, 2013) 119–53.

93 Vgl. dazu Hadot P., Philosophie als Lebensform (Frankfurt: Fischer, 2005 2); Niehues-Pröbsting H., Die antike Philosophie (Frankfurt: Fischer, 2004) 142219 ; Thom J. C., „Popular Philosophy in the Hellenistic–Roman World“, EC 3 (2012) 279–95.

94 Zur Platonrezeption bei Philo von Alexandrien, Josephus und Justus von Tiberias vgl. G. H. van Kooten, „The ‘True Light Which Enlightens Everyone’ (John 1:9): John, Genesis, the Platonic Notion of the ‘True, Noetic Light’, and the Allegory of the Cave in Plato's Republic“, The Creation of Heaven and Earth (Hg. G. H. van Kooten; Leiden: Brill 2005) 149–94, hier 153–75.

95 Vgl. Engberg-Pedersen T., Hg., Paul beyond the Judaism/Hellenism Divide (Louisville: Westminster John Knox, 2001).

96 Die Forschung steht hier m. E. erst am Anfang; einführende Überlegungen finden sich bei Runia D. T., ‘Ancient Philosophy and the New Testament: „Exemplar“ as Example’, in Method and Meaning. FS H. W. Attridge (ed. McGowan A. B./Richards K. H.; Leiden: Brill, 2012) 347361 . Es dürfte kein Zufall sein, dass Philosophen und Systematiker sich Paulus und Johannes zuwenden; vgl. Badiou A., Paulus. Die Begründung des Universalismus (München: sequenzia, 2002); Agamben G., Die Zeit, die bleibt. Ein Kommentar zum Römerbrief (Frankfurt: Suhrkamp, 2006); Ringleben J., Das philosophische Evangelium (HUTh 64; Tübingen: Mohr Siebeck, 2014).

97 Zu Paulus vgl. Vollenweider S., „‚Mitten auf dem Areopag’: Überlegungen zu den Schnittstellen zwischen antiker Philosophie und Neuem Testament“, EC 3 (2012) 296320 .

98 Vgl. nur Epikt. Diss. 6.1; Ench. 11; zur Analyse vgl. Jones S., „Freiheit“ in den Briefen des Apostels Paulus (GTA 34; Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 1987); Vollenweider S., Freiheit als neue Schöpfung (FRLANT 147; Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 1989).

99 Vgl. z. B. Sen. Ep. 47; EpCynKrates 8: „Vom Reichtum haben wir uns schon befreit …“; Dio Chrys. Or. 14; 15; 80.

100 Grundlegend Chrysipp nach Diog. Laert. 7.87–8: „Deshalb wird das Leben gemäß der Natur zum Ziel, was besagt, gemäß der eigenen Natur und der des Ganzen leben, und nichts tun, was das gemeinsame Gesetz (ὁ νόμος ὁ κοινός) gewöhnlich verbietet, das Gesetz, das die rechte Vernunft ist (ὀρθὸς λόγος), die alles durchdringt, das identisch mit Zeus ist, dem Leiter der Verwaltung des Alls'; vgl. ferner Sen. Ep. 124.14; Dio Chrys. Or. 80.5.

101 Vgl. hier zuletzt von Bendemann R., „Die kritische Diastase von Wissen, Wollen und Handeln“, ZNW 95 (2004) 3563 ; Wasserman E., „The Death of the Soul in Romans 7: Revisiting Paul's Anthropology in Light of Hellenistic Moral Psychology“, JBL 126 (2007) 793816 ; Schröter J., „Der Mensch zwischen Wollen und Tun“, Paulus – Werk und Wirkung: FS A. Lindemann (Hg. P.-G. Klumbies/D. S. du Toit; Tübingen: Mohr Siebeck 2013) 195223 , hier 214–18.

102 Vgl. Eurip. Med. 1077–80 („… sondern ich werde besiegt von den Übeln und ich weiß, welches Böse ich im Begriff bin zu tun. Der klare Verstand weicht dem dunklen Trieb, diesem Unheilstifter in aller Welt“); weitere Belege bei Wasserman, „The Death of the Soul in Romans 7“, 800–9.

103 Vgl. Plato, Pol. 9.577e: „So wird auch wohl die tyrannisch beherrschte Seele am wenigsten tun, was sie gern wollte …“; Plut., Mor. 101A; Philo, Leg All 1.105–7; Epikt. Diss. 2.26.1.

104 Vgl. hier Th. Heckel K., Der Innere Mensch (WUNT 2.53; Tübingen: Mohr Siebeck, 1993); Markschies Chr., „Art. Innerer Mensch“, RAC 18 (Stuttgart: Hiersemann, 1998) 266312 ; Betz H. D., „The concept of the ‘Inner Human Being’ (ὁ ἔσω ἄνθρωπος) in the Anthropology of Paul“, NTS 46 (2000) 317–24.

105 Mit Markschies, „Art. Innerer Mensch“, 279–80, ist zwischen der Vorstellung und dem Terminus des ἔσω ἄνθρωπος zu unterscheiden. Der Terminus findet sich vor Paulus nicht, wohl aber die Vorstellung.

106 Vgl. dazu Blischke F., Die Begründung und die Durchsetzung der Ethik bei Paulus (ABG 25; Leipzig: EVA, 2007).

107 Zum Logosbegriff insgesamt vgl. Jendorff B., Der Logosbegriff (EHS 20.19; Frankfurt: Lang, 1976); Kelber W., Die Logoslehre: Von Heraklit bis Origenes (Stuttgart: Mayer, 1976) 22ff.; Schmidt A., Die Geburt des Logos bei den frühen Griechen (Berlin: Logos, 2002); Löhr W., „Art. Logos“, RAC 23 (Stuttgart: Hiersemann, 2010) 327435 ; Perilli L., Hg., Logos: Theorie und Begriffsgeschichte (Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 2013 .

108 Vgl. hier Ibuki Y., Die Wahrheit im Johannesevangelium (BBB 39; Bonn: Peter Hanstein, 1972); Kirchschläger P. G., Nur ich bin die Wahrheit: Der Wahrheitsanspruch des johanneischen Christus und das Gespräch zwischen den Religionen (HBS 63; Freiburg: Herder, 2010).

109 Vgl. dazu Texte in Neuer Wettstein, Bd. i.2 (Hg. U. Schnelle/M. Lang/M. Labahn; Berlin: de Gruyter, 2001) 794–5. Ein Beispiel: Plato, Leg. 2.663e: „Etwas Schönes ist die Wahrheit, Fremder, und etwas Dauerhaftes; es scheint allerdings nicht leicht, ihr Glauben zu verschaffen.“

110 Nach Diog. Laert. 9.74 zeichnet sich der Standpunkt der Skeptiker dadurch aus, dass sie „den Lehrsätzen der Sekten sämtlich den Garaus machen, ohne selbst etwas lehrsatzmäßig festzustellen“.

111 So zumeist die Ausleger, die meinen, Pilatus vertrete keine philosophisch-skeptische Position; vgl. z. Schnackenburg B. R., Das Johannesevangelium (HThK iv/3; Freiburg: Herder, 1982 4) 287.

112 Vgl. Cic. Nat. D. 1.67 („Aber wo ist die Wahrheit?“); Diog. Laert. 9.61 (Pyrrhon wird die Aussage zugeschrieben, „dass nichts in Wahrheit sei, vielmehr geschehe alles, was die Menschen tun, auf Grund bloßer gesetzmäßiger Übereinkunft und nach Maßgabe der Gewohnheit“); 9.83–4 (Pyrrhon konstatiert: „Unsere Parole also sei: Zurückhaltung des Urteils über die Wahrheit“). Vgl. ferner Sext. Emp. Pyrrh. Hyp. 1.8–12.

113 Vgl. Plato, Nomoi 900d: Die Götter „sind in jeder Tugend vollkommen gut und haben daher die Fürsorge für das gesamte All als ihr ureigenstes Amt inne“; sie sind „gut und vollkommen“ (901e). Bei Plutarch, Amatorius, erscheint Eros als hervorgehobene Gottheit, aber in diesem Dialog über Ehe und (die wahre geistige) Liebe bleibt die Sexualität die eigentliche Referenzebene.

114 Zum Liebesgedanken in der johanneischen Literatur vgl. Popkes E. E., Die Theologie der Liebe Gottes in den johanneischen Schriften (WUNT 2.197; Tübingen: Mohr Siebeck, 2005); Moloney F. J., Love in the Gospel of John (Grand Rapids: Baker, 2013).

115 Vgl. Eisele W., Ein unerschütterliches Reich: Die mittelplatonische Umformung des Parusiegedankens im Hebräerbrief (BZNW 116; Berlin: de Gruyter, 2003).

116 Hier sehe ich das Problem bei Engberg-Pedersen T., Cosmology & Self in the Apostle Paul: The Material Spirit (Oxford: University Press, 2010), der aus zweifellos vorhandenen Strukturanalogien vorschnell Genealogien ableitet: „But if Paul's general talk of the pneuma matches that of 1 Corinthians 15, then we already have enough initial warrant for bringing in the various features of a more specifically developed, philosophical, and indeed Stoic, bodily understanding of the pneuma“ (39–40); zur Kritik dieser Konzeption vgl. Schnelle, Paulus, 531.

117 Ein Beispiel: Unter dem Einfluss von Rudolf Bultmann galten die Wundererzählungen lange Zeit als Ausdruck eines primitiven Weltbildes; vgl. Bultmann R., Neues Testament und Mythologie (München: Kaiser, 1985 = 1941) 16: „Die Wunder des Neuen Testaments sind damit als Wunder erledigt“. Dabei wurde völlig verkannt, dass Wundererzählungen im 1. Jh. n. Chr. eine geläufige Form des Herrschaftsdiskurses waren und keineswegs nur von „unteren, ungebildeten“ Schichten „geglaubt“ wurden (vgl. die Vespasian zugeschriebenen Wunder bei Suet. Vesp. 7.2–3; Tac. Hist. 4.81.1–3; Dio Cass. 66.8.1). Zur Sache vgl. Leppin H., „Imperial Miracles and Elitist Discourses“, Miracles revisited (Hg. St. Alkier/A. Weissenrieder; Berlin: de Gruyter, 2013) 233–48.

118 Vgl. auch Becker E.-M., „Earliest Christian Literary Activity: Investigating Authors, Genres and Audiences in Paul and Mark“, Mark and Paul: Comparative Essays Part ii: For and Against Pauline Influence on Mark (Hg. E.-M. Becker/T. Engberg-Pedersen/M. Müller; BZNW 199; Berlin: de Gruyter, 2014) 87105 .

119 Dieser Prozess setzte bereits mit Paulus ein, vgl. Horn F. W., „Wollte Paulus ‚kanonisch’ wirken?“, Kanon in Konstruktion und Rekonstruktion (Hg. E.-M. Becker/St. Scholz; Berlin: de Gruyter, 2011) 400–22. Eine gewisse politisch-religiöse Parallele stellt Augustus dar, dessen Person, Funktion und Werk in einer bis dahin nicht gekannten Art und Weise literalisiert wurde; zur augusteischen Literaturpolitik vgl. von den Hoff/Stroh/Zimmermann, Divus Augustus, 143–70.

120 Zur (möglichen) Wirkung der Paulusbriefe vgl. Oestreich B., Performanzkritik der Paulusbriefe (WUNT 296; Tübingen: Mohr Siebeck, 2012).

* Presidential Address given at the 69th Annual Meeting of SNTS held in Szeged (Hungary), 5–8 August 2014.

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New Testament Studies
  • ISSN: 0028-6885
  • EISSN: 1469-8145
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