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Gott ist alles möglich – Das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg im Rahmen der erzählerischen Entfaltung der matthäischen Basileiakonzeption in Mt 17,24–20,16

  • Christian Blumenthal (a1)

Abstract

The narration between the second and third prediction of Jesus’ suffering in Matthew's Gospel (Matt 17.24–20.16) can be entitled ‘The life and the acting of the disciples in the light of the Kingdom of God’. The last part of this section is the parable of the workers in the vineyard. Although there are quite different proposals for defining the function of this Kingdom of Heaven Parable, its specific function in the narrative development of the basileia-line in Matthew's Gospel has not yet been the focus of the interest. The article at hand tries to close this gap by analysing the basileia-sayings in Matt 17.24–20.16 and exploring in detail the function of the Vineyard Parable in this frame. Special attention is paid to the examination of the interrelationship between divine and human action.

German abstract: Die Erzähleinheit zwischen der zweiten und dritten Leidensankündigung Jesu im Matthäusevangelium (Mt 17,24–20,16) kann als ‚Das Leben und Handeln der Jünger im Licht des Himmelreiches’ überschrieben werden. Den letzten Teil dieser Erzähleinheit bildet das Himmelreichgleichnis von den Arbeitern im Weinberg (Mt 20,1–16). Der vorliegende Artikel erhebt den Beitrag dieses Gleichnisses zur erzählerischen Entfaltung der matthäischen Basileiakonzeption in Mt 17,24–20,16. Von besonderem Interesse ist dabei die Frage nach der matthäischen Verhältnisbestimmung von göttlichem und menschlichem Handlungsanteil für die Erlangung des endzeitlichen Heils.

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Gerd Häfner und Matthias Konradt danke ich von Herzen für eine kritische Durchsicht des Manuskriptes und weiterführende Hinweise.

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2 Unter diese Überschrift stellt Konradt, M., Das Evangelium nach Matthäus (NTD 1; Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 2015) 279 seine Auslegung dieser Erzähleinheit; zur Begründung dieser Abgrenzung siehe gleich Abschnitt i.

3 Für die Annahme, dass 19,16–20,16 als eine zusammengehörende Texteinheit aufgefasst werden kann, spricht vor allem die thematische Geschlossenheit. Ausgehend von der Leitfrage des reichen Jünglings in 19,16 geht es um die Radikalität der Nachfolge, die Gefahren des Reichtums, den Besitzverzicht und den verheißenen endzeitlichen Lohn. Dabei deutet die figurale Besetzung der Szenerie auf eine antithetische Anlage dieser Erzähleinheit hin, wodurch die Kohärenz noch verstärkt wird: Dem negativen Beispiel des reichen Jünglings steht der Besitzverzicht der Jünger als positives Beispiel gegenüber; noch deutlicher zeigt sich diese thematische Geschlossenheit mit ihrem antithetischen Moment in der Analyse in Abschnitt 3 meiner Überlegungen; im Unterschied zu der hier vertretenen Annahme der Zusammengehörigkeit von 19,16–20,16 erkennt Luz, U., Das Evangelium nach Matthäus. 3. Teilband. Mt 18–25 (EKK 1/3; Zürich/Düsseldorf/Neukirchen-Vluyn: Benziger/Neukirchener, 1997) 119 in 19,30 eine Zäsur, gesteht aber zugleich zu, dass seine Grenzziehung nach diesem Vers „relativ willkürlich“ ist, weil die Vv. 27–30 Übergangsfunktion zum Weinberggleichnis haben. Davies, Auch W. D./Allison, D. C., The Gospel according to Saint Matthew, Bd. iii: Mt 18–28 (ICC; Edinburgh: T. & T. Clark, 1997) heben 19,16–30 von 20,1–16 ab, betonen aber zugleich, dass das Weinberggleichnis „a supplement to 19.16–30“ (ebd. 67) ist und der Illustration der Rangumkehraussage in 19,30 dient. Nochmals anders gliedern Hagner, D. A., Matthew 14–28 (WBC 33B; Dallas, TX: Thomas Nelson, 1995) oder Konradt, Matthäus. Während Hagner kleinteilig folgende vier Einheiten unterscheidet: 19,16–22; 19,23–6; 19,27–30; 20,1–16, lässt Konradt mit 19,27 eine neue Einheit beginnen (19,16–26; 19,27–20,16); auch Morris, L., The Gospel according to Matthew (PilNTC; Grand Rapids/Cambridge: Eerdmans, 1992) 498–9 betont die Kontinuität von 20,1–16 mit 19,27ff.

4 Diese Auseinandersetzung geschieht thematisch in der Spannweite zwischen der Auslotung der Nachfolgebedingungen und der Verheißung von Heil.

5 Ohne Redeeinleitung schließt das Gleichnis nahtlos an das Vorangehende an und ist durch diese Übergangsgestaltung fest mit 19,30 verbunden.

6 Es ist das einzige Gleichnis in Mt 19,1–20,34 (zur Gliederung mehr in Abschnitt 1).

7 Eine Auswahl entsprechend ausgerichteter Auslegungen nennt Avemarie, F., „Das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg (Mt 20,1–15): Eine soziale Utopie?“ (2002), nachgedruckt in derselbe, Neues Testament und frührabbinisches Judentum (hg. Frey, J./Standhartinger, A.; WUNT 316; Tübingen: Mohr Siebeck, 2013) 453–72, hier 454 Anm. 7; siehe weiter noch ebd. 454–7.

8 Alle Zitate der letzten beiden Sätze: Avemarie, F., „Jedem das Seine? Allen das Volle! (Von den Arbeitern im Weinberg) Mt 20,1–16“, Kompendium der Gleichnisse Jesu (hg. Zimmermann, R.: Gütersloh: Güterslocher Verlagshaus, 2015 2) 461–72, hier 468.

9 Hannan, M., The Nature and Demands of the Sovereign Rule of God in the Gospel of Matthew (LNTS 308; London/New York: T&T Clark, 2006) 166. Ihr zufolge ist der springende Punkt des Gleichnisses im Aufweis zu sehen, dass Gottes Rettungshandeln „is not prompted by human endeavour“, sondern allein auf Gottes „generosity towards all“ zurückzuführen ist.

10 Dieses Zitat und das Zitat im vorangehenden Satz: Häfner, G., „Anstößige Güte (Mt 20,1–16): Das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg“, Menschenbilder – Gottesbilder: Die Gleichnisse Jesu verstehen (hg. Heil, C/Hoppe, R.; Ostfildern, 2016: Patmos) 124–43, hier 137.

11 Häfner, „Güte“, 138 (beide Zitate).

12 Häfner, „Güte“, 138.

13 Konradt, Mt, 311.

14 Auf dieser Spur hat auch schon Theobald, M., „Die Arbeiter im Weinberg (Mt 20,1–16). Wahrnehmung sozialer Wirklichkeit und Rede von Gott“ (1992), nachgedruckt in derselbe, Jesus, Kirche und das Heil der Anderen (SBAB 56; Stuttgart: Katholisches Bibelwerk, 2013) 7796, hier 82 gedacht. Ihm zufolge sieht Matthäus die Erzählung von den Arbeitern im Weinberg als „Gerichtsgleichnis, das veranschaulicht, wie die auch in die Kirche eindringenden sozialen Muster der Klassifizierung von Menschen nach Ansehen, Macht und Einfluss am Ende auf den Kopf gestellt werden“.

15 Damit wird der funktionalen Mehrdimensionalität Rechnung getragen, die dem Weinberggleichnis in dessen Einbettung in die matthäische Jesuserzählung innewohnt.

16 So merkt Hultgren, z.B. A. J., The Parables of Jesus: A Commentary (Grand Rapids/Cambridge: Eerdmans, 2002) 42 zwar an, dass es sich in Mt 20,1–16 um ein Himmelreich-Gleichnis handelt, die Frage nach der Einbindung in die matthäische Basileialinie verfolgt er aber im Zuge seiner Überlegungen zur Verortung des Gleichnisses im matthäischen Kontext (ebd. 41) nicht weiter (ebd. 43–6 bietet er eine detaillierte Bibliographie mit [älteren] Arbeiten zum Weinberggleichnis); auch der für den Bereich ‚Theological Perspective‘ verantwortliche Ausleger des Weinberggleichnisses, Hunsberger, George R., in Feasting on the Gospels: Matthew, Bd. ii: Mt 14–28 (hg. Jarvis, C. A./Johnson, E. E.; Louisville, KY: Westminster John Knox, 2013) 124 beschränkt sich nach Beobachtungen zum dynamischen Moment der matthäischen Himmelreichkonzeption auf einen knappen, nicht weiter ausgeführten Querverweis vom Weinberggleichnis auf die Himmelreich-Gleichnisse in Mt 13; etwas ausführlicher beleuchtet Pablo A. Jiménez („Exegetical Perspective“) ebd. 125 die allgemeinen, d.h. nicht basileiaspezifischen Querverbindungen des Gleichnisses.

17 Für viele nur Konradt, Mt, 311; ebd. bezieht er auch noch die Jüngerfrage nach den Größten im Himmelreich in 18,1.

18 Vgl. Avemarie, „Utopie“, 468.

19 Siehe die Rede vom Erster-Sein in 20,27: vgl. Häfner, „Güte“, 125.138.

20 Eine Ausnahme stellt Hannan, Nature, 162–6 dar, die die einzelnen Basileiaaussagen im Makroabschnitt der Wegerzählung der Reihe nach durchgeht; allerdings fragt sie nicht eigens nach deren Zusammenspiel und der Funktion des Weinberggleichnisses in diesem Teilabschnitt der matthäischen Basileialinie. Sie beschränkt sich vielmehr auf kurze Verweise auf die Seligpreisungen in Mt 5,3–10, auf die Ausführungen zum Lohn der Nachfolge in Mt 19,27–9 und das Theologoumenon in Mt 19,26, welches sie in „many ways“ im Gleichnis aufgenommen sieht.

21 Zu denken ist an die Besprechung des Gleichnisses in Kommentaren.

22 So findet sich eine Bezugnahme auf die Basileiaaussagen in 19,23–4 kaum.

23 Mit dem Ziel, eine sowohl substantielle als auch methodisch kontrollierte Basis zu erhalten, sind in den folgenden Überlegungen jene Textstellen zu berücksichtigen, in welchen unter Verwendung eines Vertreters aus dem Lexemverband βασιλεύω κτλ. eine theologische bzw. christologische Aussage formuliert wird (siehe zur singulären Ausweitung: Anm. 32).

24 Zur Gliederung: Abschnitt 1.

25 So beispielsweise auch Konradt, Mt, 265–6; im Hinblick auf die Gliederung des MtEv und die Veranschlagung möglicher Gliederungssignale gilt nach wie vor Luz’ Feststellung, der zufolge zwar Einigkeit in der Annahme besteht, dass sich das Evangelium „wirklich gliedern“ lässt, dass aber bei der konkreten Erarbeitung einer Gliederung „die Uneinigkeit groß“ ist (Luz, U., Das Evangelium nach Matthäus. 1. Teilband. Mt 1–7 (EKK 1/1; Düsseldorf/Zürich/Neukirchen-Vluyn: Benziger/Neukirchener, 2002 2) 22); siehe als exemplarische Vertreter unterschiedlicher Gliederungsvorschläge neben Kingsbury, J. D., Matthew: Structure, Christology, Kingdom (Philadelphia: Fortress, 1978 2) auch Smith, C. R., „Literary Evidence of a Fivefold Structure in the Gospel of Matthew“, NTS 43 (1997) 540–51; einen guten Überblick über verschiedene Gliederungsvorschläge des MtEv bietet etwa Weren, W. J. C., „The Macrostructure of Matthew's Gospel: A New Proposal“, Bib. 87 (2006) 171200, hier 172–80.

26 Mamić, V., Matthew's Response to an Early Missionary Issue: Meaning and Function of the Parable of the Workers in the Vineyard (Matt 20:1–16) (TG.T 219; Rom: Editrice Pontificia Università Gregoriana, 2016) beschränkt sich auf 19,16–20,28 und 19,16–20,16 als Ko- und Kontext des Weinberggleichnisses.

27 Zur Methodenfrage siehe nur bei Weren, „Macrostructure“, 171 mit der in Anm. 2 genannten Literatur; zur Gewinnung einer Gliederung verknüpfe ich Beobachtungen aus einer literarisch-synchronen-narrativen Perspektive mit diachronen Erwägungen.

28 Siehe nur Avemarie und Häfner.

29 Gewichtet man etwa die Aufbruchsnotiz in 19,1 – μετῆρεν ἀπὸ τῆς Γαλιλαίας καὶ ἦλθεν εἰς τὰ ὅρια τῆς Ἰουδαίας πέραν τοῦ Ἰορδάνου – stärker als Einschnitt, als ich dies hier tue, gewinnt man eine aus den beiden Kapiteln 19–20 bestehende Texteinheit (so z.B. Avemarie, „Utopie“, 467). Diese Erzählung vom Zug nach Jerusalem hat Matthäus „noch betonter als Markus unter das Thema der Nachfolge“ (ebd.) gestellt, sodass man sowohl für die Abgrenzung dieser Texteinheit als auch für die Veranschlagung von 17,24–20,16 als Erzähleinheit (noch anders etwa Weren, „Macrostructure“, 196–7.200 (17,1–20,34)) begründend auf redaktionskritische Indizien verweisen kann: Unter Verwendung der einschlägigen Terminologie ἀκολουθέω κτλ. taucht die Nachfolgethematik gezielt am Anfang (19,2 (anders Mk 10,1: συμπορεύεσθαι)) und Ende (20,29 (anders in Mk 10,46).34 (unter Aufnahme des markinischen ἠκολούθει aus 10,52)) der Wegerzählung in den Kapiteln 19–20 auf.

30 Wenn hier durch das Zusammenspiel zwischen der schwerpunktmäßigen Orientierung an den Basileiaaussagen in 17,24–20,16 und der ergänzenden Einbeziehung von 20,23 die beiden genannten Gliederungsmöglichkeiten in abgestufter Gewichtung Beachtung finden, soll damit Folgendes signalisiert werden: Die hier vorzutragenden Einsichten in die Bedeutung der Basileiakonzeption in diesen rund drei Kapiteln der matthäischen Erzählung zwischen Mt 17 und 20 bauen nicht auf der Veranschlagung einer bestimmten Textgliederung auf (z.B. Mt 17,24–20,16), sondern behalten ihre Gültigkeit auch bei deren Variation (etwa Mt 19–20). Mit anderen Worten: Sowohl bei Zugrundelegung der hier favorisierten Textgliederung als auch bei Veranschlagung einer ‚kürzeren’ Wegerzählung (Mt 19–20) zeigt sich, dass die Basileiathematik in dem Teilstück der Erzählung von Jesu Aufbruch und Weg nach Jerusalem in Mt 17–20 eine überaus prominente Rolle spielt.

31 Konsequenterweise wird punktuell der Betrachtungswinkel auf das ganze Evangelium ausgeweitet und ansatzweise nach der Einbindung des hier fokussierten Ausschnittes in den Gesamtentwurf gefragt.

32 Neben den basileiatheologischen Aussagen (βασιλεία τῶν οὐρανῶν bzw. βασιλεία τοῦ θεοῦ) findet sich in der ergänzend einzubeziehenden Anfrage der Zebedaidenmutter in 20,21 eine christologische Basileiaaussage (βασιλεία σου), mit der eine Facette fortgeschrieben wird, die Jesus – bleibt man bei der Orientierung an dem hier fokussierten Erzählausschnitt – in 19,28 durch die Verheißung des gemeinsamen Thrones mit seinen Jüngern eingebracht hat. Aufgrund dessen und angesichts der Tatsache, dass in dieser Verheißung königschristologische Implikationen durch den Rückgriff auf das Thronmotiv, d.h. die Einbeziehung des Bildfeldes ‚König/Königtum’ ausgelöst werden, ist 19,28 trotz des Fehlens eines Vertreters aus dem Lexemverband βασιλεύω κτλ. in die folgenden Überlegungen einzubeziehen.

33 Obschon in dieser kurzen Erzähleinheit keine explizite basileiatheologische bzw. -christologische Aussage auftaucht, erkennt Konradt, Matthäus, 280 doch in den Vv. 25–6 basileiatheologische Implikationen.

34 Dieser Befund lässt sich auch bei Zugrundelegung von Mt 19–20 als Makroabschnitt des Weinberggleichnisses erzielen: Selbst in der diese Einheit abschließenden Heilungserzählung in Mt 20,29–34 ist die Basileiathematik hintergründig präsent, da durch die Anrufung Jesu als Sohn Davids in Verbindung mit seiner Präsentation als Heiler königschristologische Implikationen wachgerufen werden. Denn in der matthäischen Konzeption besteht das Spezifikum der königlich-messianischen Herrschaftsausübung Jesu in seiner erbarmenden Zuwendung zu Israel, der Wahrnehmung seines Hirtenauftrages für das verwaiste Volk Israel und das Heilen der Kranken.

35 Aus Galiläa hinaus in Richtung Judäa und Jerusalem.

36 Vordergründig kann die Hinrichtung Jesu am Kreuz als Hinweis auf die göttliche Machtlosigkeit interpretiert werden; aber um diesen Eindruck zu vermeiden, lässt Matthäus es im Moment des Todes Jesu zur Auferweckung vieler Heiliger kommen: Damit gibt Gott im Augenblick des Todes seines Sohnes einen unübersehbaren Hinweis, dass er allein die alles entscheidende Hoheit über Leben und Tod hat und weder die römischen Machthaber noch die jüdischen Autoritäten diesen Anspruch in Abrede stellen können.

37 Konradt, Mt, 284; siehe speziell zur Rolle des Kindes: Hannan, Nature, 156 oder Malina, B. J./Rohrbaugh, R. L., Social-Science Commentary on the Synoptic Gospels (Minneapolis: Fortress, 1992) 117–18.

38 In 18,3 negativ formuliert: ἐὰν μὴ στραφῆτε καὶ γένησθε ὡς τὰ παιδία.

39 Die kausal-temporale Verknüpfung von menschlichem und göttlichem Vergebungshandeln balanciert Matthäus im Zusammenspiel der gegenläufig akzentuierten Aussagen in Mt 6,12.14–15 und Mt 18,23–35 fein aus; siehe detaillierter Blumenthal, C., „,… wie im Himmel so auf Erden‘: Die räumlichen Implikationen der Vergebungsbitte des matthäischen Vaterunsers“, ZNW 108 (2017) 191211, hier 209–211.

40 Mit anderen Worten: Durch ihre Berufung sind von göttlicher Seite aus die notwendigen Voraussetzungen geschaffen, dass die Berufenen auch tatsächlich zur Nachahmung göttlicher Handlungsweise in der Lage sind.

41 Ihnen zufolge ist es aufgrund der von Jesus zuvor in seinem Konflikt mit den Pharisäern skizzierten Rolle des Mannes in der Ehe nicht gut zu heiraten (οὐ συμφέρει γαμῆσαι); damit wird die Ehelosigkeit aber nicht positiv begründet, sondern als das kleinere Übel präsentiert.

42 Formal weisen seine Ausführungen eine Rahmung in der Form auf, dass sowohl am Beginn von V. 11 als auch am Ende von V. 12 der Aspekt des Erfassens eingebracht wird (οὐ πάντες χωροῦσιν – ὁ δυνάμενος χωρεῖν χωρείτω).

43 δέδοται ist sowohl in 13,11 als auch in 19,11 Passivum divinum.

44 Dadurch sind sie nach entsprechender Gleichnisdeutung in der Lage zu erkennen, dass die göttliche Basileia irdisch schrittweise Fuß fasst und dass (scheinbare) Rückschläge und Verluste zu diesem Etablierungsprozess gehören und folglich weder die Qualität der Botschaft noch die Fähigkeiten der Boten infrage stellen.

45 Nach Jes 56,3–5 und Weish 3,14 wird sich diese Situation zukünftig ändern.

46 Konkret findet dieses Austarieren zwischen der Ermöglichung eines sachgemäßen Verstehens und dem Verleihen der notwendigen Grunddisposition einerseits (göttliche Zuständigkeit) und der konkreten Aktivierung der gegebenen Anlagen andererseits statt (menschliche Zuständigkeit).

47 Der Gedanke, dass es einer bestimmten Disposition des Menschen bedarf (göttliche Handlungsebene), schwingt hintergründig mit, nicht zuletzt durch die Bezugnahme auf den Aspekt des göttlichen Schöpfungshandelns in 19,4 (ὁ κτίσας).

48 Für die Annahme, dass der Entscheidung zu einer solchen Lebensführung bereits in der Gegenwart des matthäischen Jesus mit Skepsis begegnet worden ist, spricht die Tatsache, dass dieser in V. 11 prophylaktisch anmerkt, dass ein Verstehen dieser Form der Lebensführung nur den von Gott dazu privilegierten Menschen möglich ist (οἷς δέδοται) und folglich außerhalb dieses Personenkreises auf Unverständnis stoßen wird; zur Situation bei Jesus von Nazareth (= beim ‚historischen’ Jesus) siehe nur Luz, Mt 3, 109–11.

49 Die Tatsache, dass in Mt 19,14 anders als in Mk 10,14 (ἠγανάκτησεν) nicht von Jesu Unwilligkeit über das Verhalten der Jünger gesprochen wird, ist als ein Baustein der bei Matthäus zu beobachtenden Revision des markinischen Jüngerbildes zu erklären; siehe ausführlicher Konradt, M., „Das Matthäusevangelium als judenchristlicher Gegenentwurf zum Markusevangelium“ (2013), nachgedruckt in derselbe, Studien zum Matthäusevangelium (hg. Euler, A.; WUNT 358; Tübingen: Mohr Siebeck, 2016) 4368, hier 63–5.

50 Siehe zu einem mit εἶναι gebildeten prädikativen Genitiv der Zugehörigkeit BDR §162,7.

51 Das präsentische Moment der Zusage rührt aus der Verwendung der Präsensform ἔστιν. Die in manchen Auslegungen von 19,14 anzutreffende Diskussion, inwieweit diese Basileiaaussage aufgrund der Verwendung der Präsensform ἔστιν als Aussage über die Vorstellung eines ‚irdisch gegenwärtigen Himmelreiches’ herangezogen werden kann (vgl. nur die Abwägungen bei Allison/Davies, Mt, iii 34 oder Gnilka, J., Das Matthäusevangelium 14,1–28,20 (HThKNT 1/2; Freiburg u.a.: Herder, 1988 [Sonderausgabe 2000]) 160 mit Anm. 13), geht an der Stoßrichtung der Aussage vorbei: Es wird keine Aussage über den gegenwärtigen Status des Himmelreiches getroffen; vielmehr wird gegenwärtig die Teilhabe an dessen Heil zugesagt.

52 Das sind die anwesenden Kinder.

53 Während in der kurzen Erzähleinheit in 19,13–15 offen bleibt, um welche Eigenschaft bzw. Haltung es konkret geht, hat man in Jesu Ausführungen in 18,3–4 einen Ansatzpunkt zur Füllung der erzählerischen Unbestimmtheitsstelle in Mt 19,14 an der Hand.

54 Konradt, Mt, 304. Jegliche Versuche der Angleichung des Bildfeldes etwa durch die Lesung von κάμιλον (‚Schiffstau‘) anstelle von κάμηλον gehen am argumentationsstrategischen Ziel des Einsatzes dieses Vergleiches vorbei (so etwa auch Hagner, Matthew 14–28, 561).

55 Durch den Wechsel bei der Näherbestimmung des Nomens βασιλεία in den beiden unmittelbar aufeinander folgenden Basileiaaussagen in 19,23–4 (in V. 23 findet sich das Syntagma βασιλεία τῶν οὐρανῶν, in V. 24 βασιλεία τοῦ θεοῦ) entsteht der Eindruck, dass der Betrachtungswinkel in V. 24 gezielt auf Gott (τοῦ θεοῦ) als den Inhaber des in Rede stehenden Heilsbereiches (= der Basileia) ausgerichtet wird. Ihm allein kommt alle Vollmacht und Verfügungsgewalt zu, da es sein Reich und seine Herrschaft ist; mit dem Einspielen dieser dem Genitivattribut τοῦ θεοῦ innewohnenden Implikation bereitet Jesus in V. 24 jenen Gedanken vor, mit welchem er die Nachfrage des Petrus in 19,26 beantwortet und dabei ausdrücklich auf Gottes unbegrenzte Möglichkeiten zu sprechen kommt (mehr zu 19,26 in Abschnitt 3); siehe zur Diskussion um (mögliche) Bedeutungsunterschiede und Funktionszuschreibungen an die verschiedenen von Matthäus eingesetzten Basileiatermini nur Pamment, M., „The Kingdom of Heaven according to the First Gospel“, NTS 27 (1981) 211–32; Thomas, J. C., „The Kingdom of God in the Gospel of Matthew“, NTS 39 (1993) 136–46 und Pennington, J. T., Heaven and Earth in the Gospel of Matthew (Grand Rapids: Baker Academic, 2009 [2007]) 299310.

56 So z.B. auch Davies/Allison, Mt, iii 52; anders Hagner, Matthew 14–28, 561 (er spricht ‚nur‘ von „the exceptional difficult of this occurring“).

57 Vgl. zum Motiv des ‚Hundertfachen’ z.B. 2 Sam 24,3 (1 Chr 21,3).

58 Zum Aspekt der Verfolgung an dieser Stelle siehe nur Dschulnigg, P., Das Markusevangelium (ThKNT 2; Stuttgart: Kohlhammer, 2007) 279.

59 In Mk 10,30: ἐὰν μὴ λάβῃ.

60 Im Sinne eines ‚eschatologischen Vorzeichens’ vor der sich nahtlos anschließenden Gleichniserzählung.

61 Verschiedene Voten zur Bestimmung der Identität des Weinbergbesitzers (Gott oder/und Jesus) nennt beispielsweise Mamić, Response, 228–9 mit den Anm. 152–4.

62 Die Annahme, dass es sich um ein Gerichtsgleichnis handelt, teilen beispielsweise auch Davies/Allison, Mt, iii 67 oder Theobald, „Arbeiter“, 82.

63 Siehe die Versuche, die Geschichte mit Blick auf den nächsten Tag fortzuschreiben: Harnisch, W., Die Gleichniserzählungen Jesu: Eine hermeneutische Einführung (Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 2001 4) 63 Anm. 42 oder Ebach, J., „Verrückte Hierarchie“, JK 58 (1997) 474–89.

64 Ausführlich Avemarie, „Gleichnis“, 453–72 mit dem Ergebnis, dass sich eine sozialethische Relevanz im Evangelienkontext „mit einiger Plausibilität“ (ebd. 472) aufweisen lässt.

65 Eng angelehnt an Avemarie, „Jedem“, 462; siehe auch Harnisch, Gleichniserzählungen, 188–94 oder unter Rekurs auf die Konfliktthematik: Mamić, Response, 161–2.

66 Im Licht von Mt 20,4 (καὶ ὃ ἐὰν ᾖ δίκαιον δώσω ὑμῖν) erscheint der gütig gewährte Lohn als das konzeptionalisiert zu sein, was gerecht ist.

67 Anthropologisch gewendet geht es im Weinberggleichnis um eine Korrektur eines möglicherweise im Gerechtigkeitsbegriff zu anthropozentrisch-irdisch gefassten Gottesbildes; dass die Wert- und Beurteilungsmaßstäbe des Himmelreiches radikal von den irdischen verschieden sind, hat Jesus bereits in der Basileiaaussage in Mt 11,11 deutlich gemacht.

68 Siehe vor allem 18,3–4; 19,12.[14].23–4.28; aber auch 20,22 im Horizont der Basileiaaussage in 20,21; Gnilka, Matthäusevangelium 14,1–28,20, 160 sieht in 19,14 ein „Plädoyer für die Gnade, die der Mensch sich schenken lassen soll, die ihn aber auch verwandeln will“. Durch diese Fokussierung bleibt bei ihm das Moment des aktiven Ergreifens dieser Gnade von menschlicher Seite im Sinne: ‚Werde, was dir durch die göttliche Gnade möglich ist, wie ein Kind!’ zu wenig berücksichtigt.

69 Damit reagiert Jesus auf die Leitfrage des reichen Jünglings aus 19,16. Mit der Rede vom Schatz im Himmel (ἕξεις θησαυρὸν ἐν οὐρανοῖς) wird in 19,21 der Bogen einerseits zu dieser Leitfrage zurückgeschlagen und andererseits auf die Konkretisierung dieses ‚Schatzes’ in 19,28–9 hin geöffnet.

70 Das Ungleichgewicht kommt daher zustande, dass die Mahnung auf der zweiten Bildhälfte durch ein Gleichnis illustriert wird; trotz dieser quantitativen Ungleichheit ist die Abfolge der einzelnen Elemente vergleichbar (siehe die im Haupttext nachfolgend abgedruckte Übersicht), was die Einstufung als diptychonartig ermöglicht.

71 Siehe die Wachsamkeitsforderung in der Endzeitrede.

72 Durch ein mögliches Umdenken in der Zukunft in Richtung einer Lebensführung unter der Maßgabe der Vollkommenheit (Abgabe des Besitzes an die Armen). Ob der Jüngling diese Gelegenheit aber nutzen wird, bleibt unerzählt. Darüber hinaus gehe ich davon aus, dass die Aussage über die göttliche Allmöglichkeit in 19,26 nicht in dem Sinne auf die Situation des jungen Mannes zu beziehen ist, dass Gott völlig losgelöst von dessen Handlungsbereitschaft Rettung wirkt. Aufgrund seiner All-Möglichkeit wäre Gott zwar zweifelsohne dazu in der Lage, aber Matthäus lässt in seiner theologischen Konzeption seine Überzeugung durchblicken, dass sich Gott an die Handlung des einzelnen Menschen zum Umgang mit seiner Berufung bindet; siehe weiter zum komplexen Zusammenspiel zwischen menschlicher und göttlicher Handlungsvorgabe bei Matthäus neben dem folgenden Fazit in Abschnitt 4 noch Blumenthal, „Implikationen“, 202–3 mit Anm. 60 und speziell im Hinblick auf die Forderung des Mehr an Gerechtigkeit in Mt 5,20 und der Vorbild-Rolle Jesu: Estrada, B., „La giustizia in Matteo: presenza del regno“, RivBib 59 (2011) 373403, hier z.B. 394.

73 Im Sinne eines Statusverlustes: Insbesondere aus der wiederholten Warnung an die Jünger, nicht doch noch zu Letzten zu werden, geht im Zusammenspiel mit der Heilszusage in 19,28 hervor, dass die Voraussetzung dafür, dass die Zusage in Geltung bleibt, auf Seiten der Jünger ein Bleiben bei der gegenwärtigen Handlungsweise in der Nachfolge Jesu voraussetzt, wie Petrus es in 19,27 konstatiert.

74 Die Forderung zur Vollkommenheit im Sinne des Tuns des Mehr an Gerechtigkeit bleibt bestehen; zu denken ist hier an die weichenstellende Auslotung der Zutrittsbedingungen zum Himmelreich in Mt 5,20 (siehe zur gruppenidentitätsstiftenden Funktion der Forderung der ‚exceeding righteousness’ Toit, A. B., „The Kingdom of God in the Gospel of Matthew“, SK 21 (2000) 545–63, hier 559–60). Das geforderte Mehr an Gerechtigkeit basiert auf der Befolgung der Gebote im Sinne ihrer Auslegung durch Jesus, wie sie in 5,21–48 exemplifiziert wird.

75 Es geht um den Zutritt zu seinem Herrschaftsbereich: In 19,24 ist ausdrücklich von der βασιλεία τοῦ θεοῦ die Rede.

76 Dies ist die erzählstrategisch-pragmatische Funktion der ausdrücklichen Nennung Gottes in der Basileiaaussage in 19,24.

77 Während die durch Jesus erfolgte Gebotszitation in Mt 19,18–19 das von diesem in Mt 5 vorgeführte Gebotsverständnis voraussetzt, basiert die vollmundige Antwort des jungen Mannes auf einem unzureichenden Verständnis, wie es in Mt 5 den Schriftgelehrten und Pharisäern vorgehalten wird.

78 Es geht nicht um völliges menschliches Versagen: Mit dem Weinberggleichnis wird deutlich, dass auch die Arbeiter der letzten Stunde einen Teilbeitrag leisten. Dadurch entsteht der Eindruck, dass nicht die Arbeitsleistung, sondern der Arbeitswille ausschlaggebend ist (nach Avemarie, „Jedem“, 463); siehe zur Zeichnung der ‚Kurzarbeiter’ der dritten und elften Stunde Naizer, E. R., „Discourse Prominence in Matthew 20,1–16: Stanley Porter's Verbal Aspect Theory Applied“, FNT 22 (2009) 4154, hier 51–3.

79 Siehe auch in 20,23.

80 Theobald, „Arbeiter“, 93.

81 Nach Theobald, „Arbeiter“, 93.

82 Gott und seiner βασιλεία τῶν οὐρανῶν stehen die βασιλεῖς τῆς γῆς in der Art und Weise ihrer Herrschaftsausübung diametral gegenüber.

83 Zur Diskussion um die Identität der von der Abgabenpflicht befreiten Söhne siehe nur Luz, U., Das Evangelium nach Matthäus. 2. Teilband. Mt 8–17 (EKK 1/2; Zürich/Düsseldorf/Neukirchen-Vluyn: Benziger/Neukirchener, 1999 3) 532–5.

84 Siehe zur Kontrastierung auch Carter, W., „Matthew and Empire“, Empire in the New Testament (hg. Porter, S. E./Westfall, C. L. (McMaster Divinity College Press New Testament Studies Series 10; Eugene, OR: Pickwick, 2011) 90119, hier 114.

85 Siehe vor allem 18,3–4; 19,12.23–4.28; aber auch 20,22 im Horizont der Basileiaaussage in 20,21.

86 Auf die realweltlichen Auswirkungen und das Konfliktpotential der von Jesus etwa in 20,25–7 proklamierten Herrschaftsweise weist etwa Chouinard, L., „The Kingdom of God and the Pursuit of Justice in Matthew“, ResQ 45 (2003) 229–42, hier 235–6 nachdrücklich hin; siehe ferner noch zum realweltlichen Bezugspunkt und zum Veränderungspotential der matthäischen Himmelreich-Theologie nur Carter, W., „Narrative/Literary Approaches to Matthean Theology: The ‚Reign of the Heavens’ as an Example (Mt. 4.17–5.12)“, JSNT 67 (1997) 327, hier besonders 25.27.

87 Diese Aussage bildet für Avemarie, „Gleichnis“, 468 den „sachliche[n] Höhepunkt“ in Mt 19–20; nach Mamić, Response, 277 steht im Hintergrund von 20,21–8 „apparently … the existing rivalry in the post-Easter Christian circle“.

88 Siehe nur die wegweisende Basileiaaussage in Mt 5,20 mit ihrer Fokussierung auf die menschliche Handlungsebene und die Basileiaaussage in Mt 11,11 zur Umkehr der irdischen Bewertungsmaßstäbe; eine ausführliche Untersuchung der gesamten erzählerischen Entfaltung der matthäischen Basileiakonzeption muss ich auf einen anderen Ort verschieben.

89 Anschaulich ist dies am Ende der ersten Bildhälfte zu sehen: Im Horizont der Vollkommenheitsforderung an den jungen Mann (19,21) ist der Blick schlussendlich allein auf den Aspekt der unbegrenzten göttlichen Möglichkeiten gerichtet (19,26), ohne dass explizit eine genauere Verhältnisbestimmung von göttlichem und menschlichem Handeln vorgenommen wird.

90 Für Hannan, Nature, 166 ist Gottes Heils- und Befreiungshandeln „sheer gift and does not come as a reward for personal merit“.

Gerd Häfner und Matthias Konradt danke ich von Herzen für eine kritische Durchsicht des Manuskriptes und weiterführende Hinweise.

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New Testament Studies
  • ISSN: 0028-6885
  • EISSN: 1469-8145
  • URL: /core/journals/new-testament-studies
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