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Auf die stimmung, die jeden griechischen brief unbesehens verwarf, ist die entgegengesetzte gefolgt; es ist das jedoch kein fortschritt, denn stimmungen genügen für die wissenschaft nicht. ich brauchte für den prinzenerzieher Aristoteles den fünften brief, wenn er ächt war: deshalb habe ich die sache untersucht, und gerade weil das ergebnis kein einfaches ja oder nein ist, halte ich es für richtig.
Der brief an Dionysios (1) ist durch die rede an Philippos (5,81) so sicher bezeugt, dass man, urn ihn zu verwerfen, die absicht eines fälschers wahrscheinlich machen müsste, der auf grund jener stelle einen brief verfertigt hätte. das ist nicht möglich. es kommt hinzu, dass der brief nur ein sehr schön geschriebenes prooemium enthält, das eine wichtige politische erörterung verspricht. diese zu unterdrücken konnte Isokrates alle veranlassung haben, wenn die politischen ereignisse eine fur ihn unerwünschte wendung genommen hatten, und der sicilische fürst mit der entgegengesetzten politik erfolgreich gewesen war: der fälscher hätte bequem ex eventu schreiben können was ihm passte. der brief nimmt auch auf den Panegyrikos in durchaus angemessener weise bezug (6), etwa wie die rede an Philippos, und wenn die nachteile des briefes gegenüber dem gespräche so behandelt werden (3), dass man die nachwirkung der schönen platonischen kritik (Phaidr. 275) spürt, so spricht das vollends für den verfasser, der trotz aller späteren entfremdung den Phaidros zu viel und zu gerne gelesen hatte, um ihn je zu vergessen.
In dem vertrage, durch den die versöhnung zwischen stadt und hafen 403 herbeigeührt ward, sind die Dreissig, die zehn (d. h. die ersten, zu denen Pheidon, nicht die διαλλαϰταí, zu denen Rhinon gehörte1), die elf und die zehn im Peiraieus von der amnestie ausgenommen, und auch sie nicht, wenn sie rechenschaft ablegen und decharge erhalten. rechenschaft wird abgelegt von den beamten der partei des hafens vor dieser, von denen der städter aber nicht vor diesen, sondern vor den τιμηματα παρεχóμενι. so steht es in dem documente 39, 6. die demokraten des hafens sind sieger, hinter ihnen steht die macht der spartanischen regierung; sie sind bevorzugt, denn sie nehmen ihren beamten selbst die rechenschaft ab. die gegenpartei ist nicht so gönstig gestellt; da werden die richter aus einer classe genommen, sind also sowol städter aus-, wie leute des hafens eingeschlossen. es fragt sich, was heisst τιμηματα παρἐχεσει. oder eigentlich fragt es sich nicht, denn nach, ὅπλα παρἐ-χεσει das Drakon und die 400 und Thukydides so oft gebrauchen, sind es die welche in der lage sind, die τιμηματαzu leisten, zu praestiren, und τιμηματα sind die eingeschätzten stufen des einkommens seit Solon.
Unsere untersuchung hat gleich damit begonnnen, das chronologische gerippe der aristotelischen erzählung auf die attische chronik zurückzuführen, und in jedem capitel ist nacb ausscheidung eines bestimmten autors, dem wir gerade nachgiengen, ein rest geblieben, der jedesmal wieder derselben chronik zufiel. sie hat also wirklich dem Aristoteles den grundstock seiner erzählung geliefert. die ganze älteste zeit, ausschliesslich der verfassung Drakons, die sachlich bedeutendsten stucke über Solon (6; 1. 7—10), die erzählung der jahre 594—80 (13) und 507—480 (22), die den trocknen stil des jahrbuches an sich trägt, sind ihr ganz zugefallen; später freilich ausser einer kurzen einlage (26, 2—4) mit sicherheit kaum noch etwas über die chronologie hinaus. anders stellte es sich in der geschichte der Peisistratiden und des Kleisthenes, wo zwar eine anzahl wertvoller tatsachen aus ihr nachgetragen sind, aber sie den einschlag bildet, Herodotos den zettel. und einiges, namentlich in der geschichte des Peisistratos haben wir oben (s. 30) mit absicbt auf diesen platz aufgespart. diese reste sollen zunächst erledigt werden, dann wollen wir uns diese hauptquelle des Aristoteles selbst ansehn, in wie weit sie eine einheit ist: die hoffnung, dass wir einen autornamen finden werden, bitte ich jedoch den leser von vorn herein fern zu halten.
Da wir jung waren, lernten und glaubten wir, dass die überlegenheit der Boeckhschen altertumswissenschaft über die Hermannsche philologie sich nirgend glänzender offenbare als in der abhandlung über euthynen und logisten, die zu diesem nachweise geschrieben ist. da wir älter wurden, sahen wir mit überraschung, dass Hermanns conjecturen zu CIA I 32 auf dem steine standen mit ausnahme von einer minder wichtigen stelle, wo Boeckh aber auch nicht richtiger geurteilt hatte. und nun stellt sich heraus, dass uber die sache beide irr gegangen sind, dass auch gerade die behandlung, die am meisten methodisch vorgieng und allein wirklich vorwärts kam (Schöll de synegoris), irr gehn musste, weil ihr fundament ein gefälschtes zeugnis war. die unzulänglichkeit unseres combinirens ungenügender daten zeigt sich handgreiflich, ebenso aber, dass die wirkliche kenntnis der sprache in ihrem gebiete mit sicherheit vorgeht und dass ihr die logik des rechtlichen gedankens auch wol zu hilfe kommen kann: beide vereint hätten das falsche zeugnis wol entlarven und aus dem sprachgebrauche und dem rechte der wahrheit näher kommen können. aber diese ist uns jetzt durch Aristoteles (48, 3–5. 54, 2) gegeben: wir wollen bei der sache bleiben, von den modernen absehn und auch die angaben der lexicographen, die aus Aristoteles abgeleitet oder durch misverständnis seiner worte entstanden sind, sollen fortfallen.dagegen mag was ihn ergänzt und ohne weiteres sich einordnet, gleich mit vorgeführt werden: wir wissen ja, dass er nur der reinste und reichste canal derselben überlieferung vom attischen staate ist.
Aristoteles hat sein viertes capitel in einen für ihn bereits gegebenen zusammenhang eingeschoben, aus dem es herausfällt. die umgebung stammt aus der Atthis; diese hat also nichts von der drakontischen verfassung gewulst. das stimmt dazu, dass die gesammte tradition sie nicht kennt. ja Aristoteles selbst hat, als er die Politik schrieb, nur so viel wie die Atthis von Drakon gewusst. das hat sich in dem vorigen capitel ergeben. er hat die verfassung also erst irgendwoher kennen gelernt, als er daran gieng die Politie zu schreiben; dann aber hat er dieser überlieferung vollen glauben beigemessen.
Neben der Atthis haben wir als quellen des Aristoteles bereits oligarchische parteischriften kennen gelernt, und wir werden später sehen, dass sie ihm die geschichte des fünften jahrhunderts fast ganz geliefert haben. gerade die actenstücke, die er aus dieser quelle für das jahr 411 entnimmt, stehen mit der verfassung Drakons in so naher beziehung, dass wir vor dem dilemma stehn: entweder haben die oligarchen von 411 sich an diese verfassung Drakons angeschlossen, oder aber sie haben sie zu gunsten ihres planes als angebliches vorbild erfunden. in beiden fällen ist der schluss unvermeidlich, dass Aristoteles seine kenntnis der drakontischen verfassung diesen oligarchischen gewährsmännern verdankt.
Wir haben über den krieg zwischen Athen und Aegina keine überlieferung ausser bei Herodotos. was er gibt, kann so wie es ist nicht geschichte sein. es geht aber nicht an, davon zu ignoriren, was auf den ersten blick sich als novellistisch kund gibt, und das andere wol oder übel als geschichte zuzustutzen, sondern die analyse des ganzen berichtes muss vorhergehen.
Herodot erzählt (V 79–90) gleich nach dem siege Athens am Euripos, dass Theben sich um hilfe nach Aegina wendet, und die Aegineten die attische küste verwüsten. die Athener werden an der aufnahme des krieges dadurch verhindert, dass Sparta mit einer intervention zu gunsten des Hippias droht.
Das ist das bescheidene tatsächliche, was er über diese zeit beibringt. es schliesst sich seinem berichte über die attische geschichte jener jahre sehr gut an, und man hat nicht die mindeste veranlassung, mehr daran zu zweifeln als an jenem berichte überhaupt. es ist wahr, dass Athen eigentlich hätte losschlagen können, sobald die von Sparta drohende gefahr verschwand. Herodot bedient sich derselben auch nur als eines stilistischen mittels, um einen übergang zu jenen planen der Spartaner zu finden. innerlich motiviren hat er die zurückhaltung der Athener mit einem orakel wollen, das ihnen 30 jahre zu warten gebot, widrigenfalls sie einen sehr langen wechselvollen krieg führen müssten. dies orakel dient ihm auch dazu, seine aeginetischen abschnitte zu verknüpfen. es gehört freilich zu dem was er überliefert erhalten hat, aber dass es hier erscheint, ist auch nur Herodots anordnung, die für uns nicht massgebend ist.
Die verteilung der geschäfte auf die vier volksversammlungen, die es zu Aristoteles zeit gab, lässt deutlich erkennen, dass die solonische ordnung nur eine regelmässige, die ϰμϱία, gekannt hat. wie viel es damals im jahre waren, ist unbekannt, weil wir das analogon der prytanien nicht kennen. seit Kleisthenes waren es zehn. zehnmal also kam die souveräne bürgerschaft zusammen, beststigte ihre beamten, wenn sie mit ihnen zufrieden war, beriet die für die verpflegung und die sicherheit des landes zu treffenden massregeln, nahm die denuntiationen über hochverrat und sonstige majestätsverbrechen entgegen, liess sich ilber die veränderungen im besitzstande ihrer mitglieder unterrichten, welche grundstücke durch confiscation dem souverän zugefallen waren, welche durch todesfälle vacant geworden des rechtmässigen erben harrten und entschied schliesslich tiber denuntiationen gegen bürger, die das vertrauen des souveräns verwirkt oder getäuscht hatten (43, 4–5). damit ist erschöpft, was der souverän regelmässig zu erledigen hat. hinzukommt die versammlung für die wahlen, für die dem rate ein terminus ante quem non in der siebenten prytanie gesetzt ist; das nähere steht bei diesem, weil ein günstiger tag für dieses wichtige geschäft gewählt werden muss (44, 4). es hat ferner jeder bürger das recht, vor die gesammtheit zu bringen, was er auf dem herzen hat; doch ist dafür die form beliebt, dass er als bittflehender das gesuch stellt. diesem muss innerhalb jeder prytanie einmal folge gegeben und dafür eine besondere versammlung berufen werden, nattürlich vom rate, der die gesuche also gesammelt haben muss.
Wir hatten uns in unsern träumen dieses buch gewünscht, auf dass wir eine autheutische belehrung dartüber erhielten, was der athenische staat gewesen sei. wir mussten so oft mehrdeutige auszüge daraus als die beste überlieferung anerkennen, wir waren gewohnt, in Aristoteles den unvergleichlichen an wissen und an urteil zu verehren, dass der wunsch sich mit notwendigkeit einstellte: o dass er doch zu uns sprechen könnte. der traum ist wahrheit geworden: er spricht zu uns. als das neue licht erschien, musste jeder zunächst geblendet sein; bald aber, unheimlich bald, wurden die verschiedensten urteile laut. sie waren durch drei factoren gebildet, alle von einem stark subjectiven charakter, den eindruck des neuen buches, die autorität des verfassernamens und die vorstellung, die sich der urteilende von der attischen geschichte vorher gebildet hatte. durch die combination so variabler factoren lassen sich noch eine anzahl anderer wahrsprüche über das neue buch gewinnen; aber die vorliegenden könnten genügen, um einem von fern herantretenden das ganze buch zu verekeln. was sowol als eitel gold wie als eitel kot bezeichnet werden kann, wird wol überhaupt nichts besonderes sein. dem gegenüber verlangte die wissenschaft zunächst, das buch wie es ist zu verstehen. der erste text konnte nur ein provisorischer sein; die erste übersetzung war es noch mehr: trotzdem formulirten schnellfertige historiker ihr urteil. was auf solchem boden errichtet wird, braucht man nicht erst anzugreifen, das fällt von selbst ein.