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Die institution der diobelie), die diesen festen namen führt, ist durch Kleophon eingeführt; das sagt Aristoteles 28, 3 und damit sind ihre antiken und modernen deutungen auf den richtersold oder die schaugelder beseitigt, sintemal diese längst bestanden: es ist nur ein beweis für die macht des trägheitsgesetzes, dass sie selbst zur erklärung des Aristoteles weiter vorgebracht werden.
Für die diobelie begegnen uns bedeutende zahlungen in der schuldurkunde aus dem jahre des Glaukippos 410/9 und einem der folgenden 408/7 oder 407/6 (CIA I 188, 189); das geld ist von den schatzmeistern der göttin an die hellenotamien gezahlt. die posten sind zum teile sehr niedrig, dann wird aber fast täglich der schatz in anspruch genommen,) für die verteilung des geldes gab es eine behörde, denn Xenophon Hell. I 7, 2 nennt den Archedemos τоῦ δημоν πϱоεστηϰως ϰαι τῆς διω βελιας ἐπιμελоμενоς. aber der ausdruck fübrt auf ein collegium von ἐπιμεληται, das wir der weise des fünften jahrhunderts entsprechend nicht über den beamten stehend denken dürfen wie im vierten die ἐπι τῷ θεωϱιϰῷ, sondern unter ihnen, also nicht befugt, selbst das geld aus dem schatze zu entleihen. aber der erste demagoge (τα πϱῶτα τῆς ἐϰεῖμоϰθηϱιας, sagen die seligen der Frösche von Archedemos 418), ein mann, der sich von Kriton gegen tantième zum schutze seines vermögens vor den sykophanten anstellen liess (Xen. Memor. II 3), bekleidete doch dieses amt, in dem wir also Kleophon und Kallikrates auch denken müssen.
Den Thukydides nennt die Politie nirgend. ich hatte schon früher darauf hingewiesen, dass die übrigen schriften des Aristoteles ebensowenig wie die des Platon oder Isokrates oder Demosthenes eine spur seiner benutzung zeigen, von der viel gefabelt worden ist und trotz dem augenschein gefabelt wird. hier ist er allerdings benutzt, aber in einer art, welche über die stimmung des Aristoteles ihm gegenüber keinen zweifel lässt.
Die geschichte der 400
Nacherzählt ist ihm der sturz der 400 (cap. 33), zuweilen mit wörtlichem anklang, natürlich unter wahrung der schriftstellerischen selbstständigkeit, und wenn in einigen punkten das politische urteil des Thukydides wiederkehrt, wie namentlich über die ephemere verfassung, die unmittelbar nach dem sturze der 400 eingeführt ward, aber nicht einmal bis zum ende des jahres (unter Theopompos, September 411 bis juni 410) in kraft blieb, und deshalb von Aristoteles in der zahl der verfassungen nicht mitgerechnet wird, so ist das nicht eine entlehnung, sondern eine bekräftiguug dieses urteils. denn in den wichtigsten stucken ist Aristoteles ganz anderer meinung. Theramenes und Aristokrates sind beide für Aristoteles überzeugte anhänger der neuen verfassung und ächte patrioten, wahrend Thukydides (8, 89) ihre verfassungstreue nur für einen deckmantel persönlicher absichten hielt. die aufzählung der geistigen urheber und leiter der bewegung, Peisandros Antiphon Theramenes (32, 2), ist allerdings im anschlusse an Thukydides (8, 68) gegeben, so dass selbst die reihenfolge dieselbe ist.
Den plan, über die Politie des Aristoteles zu schreiben, habe ich im februar 1891 gefasst, als ich sie zuerst las und für vieles sofort die entscheidenden gedanken concipirte. nach der anstrengenden aber genussreichen arbeit, die Kaibel und ich gemeinsam auf den text verwandten, schien es uns noch möglich, dass zwar jeder für sich seinen teil des buches, das wir in unserer ausgabe versprachen, schriebe, aber doch alles zusammen in einem bande vereint erschiene. ich erklärte die Politie im winter 1891/92 meinen studenten, und damals sind der grösste teil der analyse und einzelne der späteren capitel entstanden; nur gestatteten mir vermehrte amtsgeschäfte nicht, die ausarbeitung zu vollenden. immerhin lagen I 1—6. 8. 9 II 3. 6. 12. 13 III 2. 3. 9 ausgearbeitet vor, als mich andere pflichten zwangen, die sommermonate 1892 zu pausiren. dann habe ich mich daran gehalten, I 1—9 ende januar, I 10, II 1—6 im april in den druck gegeben, und heute an II 7, das ich doch schon 1889 hatte schreiben wollen, als letztem capitel den letzten strich getan. gleichzeitig ist freund Kaibel zum druck geschritten. dass wir jeder unser buch für sich fertig machen müssten, ohne communication, und für sich erscheinen lassen, wenn wir überhaupt fertig werden wollten, war uns längst klar geworden.
“In der guten alien zeit hielt das volk darauf, dass die biedermänner auch zu den ämtern herankamen. das war sehr schön, denn die ständigen inhaber (оι συνεχεις оἵδε) nahmen sich vor diesen anständigen collegen zusammen, und es wurden die braven leute nicht von der krippe (dem ϰαϱπоνσαι τὰ κοινά) weggestossen, weil sie sich nicht zu einer tätigkeit drängen, die es mit sich bringt, dass man commandirt und durch die disciplin misliebig wird (ἐνоχλειν ϰαὶ παϱγγελλειν) jetzt besetzl ihr die ämter wie die priestertümer (das heisst hier nichl, wie bei Isokrates 2, 6, dass jeder befähigt zu ihnen erscheint, sondern dass das volk auf die person keinen wert legt und jeden der sich meldet zulässt), und da ist es natürlich, dass ihr, die masse, herumlauft) und zu den wenigen emporblickt, die durch die pfründen reich wurden, die sie dauernd geniessen (συνεχως πоλλὰ λαμβάνειν). ihr seid eben so inconsequent, dass ihr die iteration der astynomie z. b. verbietet, die der strategic gestattet. für die wirklich militärischen stellen (τоυς επι των πϱαζεων bei Aristoteles ähnlich 61, 1πϱоς τὰ παϱόντα πϱαγματα ἐϰπέμπειν wenns aber keine πϱάγματαgab, so hatten diese vollends sinecuren) mags noch hingehn, aber es ist eine tollheit bei denen die ohne etwas zu tun zu haben einen unbefristeten posten einnehmen, obgleich sie für einen befristeten gewählt sind.
Meine absicht in diesem bucbe ist es, zu einem urteile über den wert der aristotelischen Politie zu gelangen, den absoluten, als werk des Aristoteles für seine zeit und für sein volk, und den relativen, für unsere forschung nach der staatsverfassung und geschichte Athens. dies ziel zu erreichen habe ich keinen andern weg gewusst, als das buch zu analysiren, zu fragen: wo weiss Aristoteles das her was er sagt, weiss er es überhaupt, oder redet er es andern nach ohne geprüft zu haben. und da gliederte sich die untersuchung nach den schriftstellern, benannten oder unbenannten, welche Aristoteles benutzt hat, oder es mussten zusammenhängende gleichartige teile seines werkes einzeln abgehandelt, auch die nachwirkung des buches im altertum kurz klargestellt werden, ehe ich mich getrauen durfte das facit zu ziehen, mochte ein mehr oder minder bestimmtes meinen auch schon vorher dasselbe ziemlich, nicht ganz, ähnlich erfasst haben. allem aber voran muss ein capitel gehen, das das feste gerüst der zeitrechnung aufzeigt, durch welches der ganze geschichtliche teil zusammengehalten wird. die titel der capitel lassen vielleicht keine überlegte disposition des stoffes erkennen; sie ist aber vorhanden, und wenn ich bitten darf, so lese man in der reihenfolge, wie ich die einzelnen untersuchungen angeordnet habe.
Über die mythischen könige Athens bedarf es nur weniger worte. auf ihre einordnung in eine liste kommt geschichtlich gar nichts an; die füllfiguren der chronographen sind überhaupt nicht der rede wert. Ogygos ist ein spätling aller orten, eponym der ogygischen, d. h. okeanischen flut, erwachsen aus dem adjectiv ὠγγιος. Amphiktion ist auch nicht von attischem ursprunge, setzt die zugehörigkeit Athens zu der delphischen Amphiktionie voraus und entstammt der abstraction, wenn auch nicht sehr junger. Kranaos ist aus dem adjectivum ϰϱαναός erwachsen, das in nachepischer zeit glossematisch war. Aristophanes nennt Athen selbst nicht nur ϰϱαναὰ πóλις (Ach. 75), sondern geradezu Kϱανααí (Vög. 123). aber schon Aischylos sagt für Aϑηναĩoι παĩδες Kϱαναoῦ (Eum. 1011), Herodotos Kϱαναoí (8, 44). der so entstandene Kranaos halte ein grab in Lamptra (Paus. 1, 31, 3), und ein eponym, der sonst keine gentilicische verbindung hatte, erhielt ihn zum vater, Kϱαναoῦ παĩς' Pãϱoς bei Hesych. Aktaios oder Aktaion ist seinerseits erst von der ὰϰτςή abgeleitet, und da die Athener mit ὰϰτςή nicht ihr ganzes land, sondern die jetzt sog. Peiraieushalbinsel benennen, Attika überhaupt als das ‘vorgebirge’ (das ist ὰϰτςή) nur von dem standpunkte, sei es des seefahrers draussen, sei es des hinterliegenden continentes bezeichnet werden kann, so ist der ursprung dieses namens ausserhalb Athens zu suchen, wie denn auch Aktaios- Aktaion in Attika keine locale oder gentilicische verbindung hat.
Die rhetorische terminologie unterscheidet als eine grundform der fragstellung, die für die gerichtsrede das erste hauptstück ist, die μετάληψις, die form- oder competenzfrage, ob das angezogene gesetz auf den rechtsfall passt, oder der process aus formellen gründen unzulässig ist. in dem ausgebildeten attischen rechte, wie es die demosthenischen reden zeigen, ist dies auch schon fast ganz durchgeführt. der beklagte kann den competenzconfliet erheben; dann klagt er wider die klagescbrift, die im falle seines sieges beseitigt ist. es muss aber angenommen werden, dass derselbe gerichtsbof, bei dem die erste klage erhoben war, aucb uber die competenzklage zu befinden zuständig ist. uns liegt es zwar nahe, eine besondere gattung von klagen, die παϱαγϱαφιϰαί, zu statuiren, wie denn die ordner der demosthenischen reden eine gattung von diesen als παϱαγϱαφιϰαί, ausgesondert haben, und gewiss wa'ren die thesmotheten ihrer ursprünglichen bestimmung nach geeignet gewesen, nach den bestehenden gesetzen, die sie doch kennen mussten, jeden competenzconfliet zu entscheiden, nötigenfalls daruber ein besonderes gericht zu berufen. es ist aber zu einem besonderen processe der παϱαγϱαϕή und einem besonderen gerichtshofe nicht gekommen, weil diese feinheit der juristischen distinction erst allmalich vor unsern augen durch die praxis gefunden wird.
Aristoteles (21,4) berichtet aus der chronik, dass die bezeichnung des athenischen bürgers durch den demosnamen von Kleisthenes eingeführt sei, und zwar mit der absicht, die neubürger vollkommen gleich zu stellen, welche die bezeichnung durch den vatersnamen kenntlich gemacht haben würde. daher käme es dass sich die Athener selbst mit dem demotikon nennten. die uns geläufige attische sitte vereinigt die bezeichnungen nach dem vater und dem demos, die hier einander gegenüber gestellt werden, und das ist im vierten jahrhundert auch die offizielle bezeichnung, z. b. auf den richtertäfelchen (Ar. 63, 4). aber der aristotelische bericht hat keinen sinn, wenn nicht Kleisthenes den vatersnamen durch den demo's hat ersetzen wollen. denn wenn die bezeichnung nach dem vater die neubürger überhaupt kenntlich machen konnte, so tat der zusatz Ἀλωϰεϰῆϑεν weder etwas davon noch dazu, solange der vatersname in offiziellem gebrauche war. Kleisthenes hat also den vatersnamen abschaffen wollen.
Wie aber konnte der vater die neubürger kenntlich machen? ihre vater hiessen doch nicht alle Manes oder Skythes, und barbarische oder doch fremde namen sind auch in ächt bärgerlichen familien dnrchaus nicht unerhört. auch hier ist nur eine antwort möglich: die neubörger hatten gar keinen vater.
Das klingt befremdlich, aber die logik des rechtes ist unerbittlich. der sclave kann keine ehe eingehen, also entbehrt der im hause geborene des vaters und der aus der fremde eingeführte barbar erst recht.